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US-Arbeitsmarktindikatoren10 Min. Lesezeit

Was ist die Beveridge-Kurve? Offene Stellen, Arbeitslosigkeit und Matching-Effizienz

Erfahren Sie, was die Beveridge-Kurve über offene Stellen und Arbeitslosigkeit zeigt und warum sie weder Ursache noch Rezession allein belegt.

In diesem LeitfadenWas zeigt die Beveridge-Kurve?

Kurze Zusammenfassung

Die Beveridge-Kurve stellt die Arbeitslosenquote der Quote offener Stellen gegenüber. Sie hilft, Veränderungen am Arbeitsmarkt einzuordnen, ist aber weder allein eine Rezessionsprognose noch ein Beweis für deren Ursache.

Was zeigt die Beveridge-Kurve?

In der üblichen Darstellung steht die Arbeitslosenquote auf der horizontalen Achse und die Quote offener Stellen auf der vertikalen. Für die USA stammt die Arbeitslosenquote aus der Current Population Survey (CPS) des Bureau of Labor Statistics; die offenen Stellen werden in der Job Openings and Labor Turnover Survey (JOLTS) erfasst. Das BLS-Diagramm zur Beveridge-Kurve stellt monatliche Beobachtungen beider Reihen gegenüber. Nach den CPS-Definitionen des BLS können vorübergehend entlassene Personen, die auf ihre Rückkehr warten, auch ohne aktive Arbeitssuche als arbeitslos gelten.

Typischerweise fallen die Punkte von links oben nach rechts unten: Viele offene Stellen gehen häufig mit einer niedrigeren Arbeitslosenquote einher, wenige Stellen eher mit einer höheren. Das ist ein Muster, keine ausnahmslose Gesetzmäßigkeit. Im Zeitverlauf können Punktewolken und Kurvenabschnitte ihre Lage ändern. Ein einzelner Punkt außerhalb eines früheren Bereichs beweist daher noch keine bestimmte Ursache.

Die Kurve wird oft als konvex beschrieben. Sie ist also keine Gerade, sondern ändert ihre Steigung je nach Position am Arbeitsmarkt. Im oberen Abschnitt, wo es im Verhältnis zu Arbeitssuchenden viele offene Stellen gibt, kann die Kurve steil sein. Ihre Form ist wichtig, wenn man eine Veränderung der Arbeitslosenquote bei sinkenden Vakanzen abschätzen will; sie legt das Ergebnis aber nicht allein fest.

Welche offenen Stellen erfasst JOLTS?

Nicht jede Stellenanzeige und nicht jede geplante Einstellung gilt als offene Stelle. JOLTS zählt Positionen, die am letzten Geschäftstag des Monats unbesetzt sind. Es muss Arbeit für die Stelle vorhanden sein, ein Arbeitsbeginn innerhalb von 30 Tagen möglich sein und der Betrieb aktiv nach Personen außerhalb des eigenen Standorts suchen. Die BLS-Definitionen für JOLTS erläutern diese drei Voraussetzungen. Eine Stelle, die nur für interne Versetzungen offen ist oder erst in mehr als 30 Tagen beginnen könnte, zählt beispielsweise nicht dazu.

Die Quote offener Stellen wird berechnet, indem die Zahl der offenen Stellen durch die Summe aus Beschäftigung und offenen Stellen geteilt und mit 100 multipliziert wird. Die BLS-Methodik zur Berechnung von Quoten gibt die Formel an: Quote offener Stellen = offene Stellen ÷ (Beschäftigte + offene Stellen) × 100. Hätte ein hypothetischer Betrieb 96 Beschäftigte und vier offene Stellen, ergäbe das 4 ÷ (96 + 4) × 100 = 4 Prozent. Das ist nur ein Rechenbeispiel; der nationale JOLTS-Wert beruht auf Schätzungen aus einer Betriebsstichprobe.

Die Quote ist deshalb nicht mit der bloßen Anzahl offener Stellen gleichzusetzen. Selbst bei unveränderter Zahl offener Stellen kann sich die Quote ändern, wenn sich die Beschäftigung und damit der Nenner verändert. Außerdem verrät eine hohe Quote für sich genommen weder, in welchen Branchen die Stellen liegen, noch wie gut die Qualifikationen der Arbeitssuchenden zu ihnen passen.

Offene Stellen sind ein Bestand, Einstellungen und Abgänge sind Ströme

Offene Stellen sind eine Bestandsgröße: Sie bilden ab, wie viele Positionen an einem bestimmten Stichtag offen sind. Einstellungen und Abgänge, etwa Kündigungen und Entlassungen, sind dagegen Stromgrößen über den gesamten Monat. Die JOLTS-FAQ des BLS erklärt die unterschiedlichen Bezugszeiträume: Für offene Stellen zählt der letzte Geschäftstag, für Einstellungen und Abgänge der ganze Monat.

Angenommen, ein Betrieb hat zu Monatsbeginn zehn offene Stellen. Im Lauf des Monats besetzt er sechs davon und schreibt vier neue aus. Am letzten Geschäftstag sind dann acht Stellen offen. Die Stichtagszahl zeigt nicht, dass in diesem Monat niemand eingestellt wurde. Ebenso beweist ein Rückgang der offenen Stellen nicht, dass Entlassungen zugenommen haben: Stellen können besetzt oder gestrichen worden sein oder die JOLTS-Kriterien nicht mehr erfüllen.

Einstellungen sind also nicht einfach die Gegenbewegung zur Zahl offener Stellen. Eine Einstellung zählt als monatlicher Zugang zur Lohnliste; die zugehörige Stelle kann am Monatsende bereits besetzt sein. Umgekehrt ist eine am Stichtag offene Stelle noch keine Einstellung. Beide Größen zusammen zu betrachten ist nützlich, aber ihre Bezugszeiträume müssen dabei sichtbar bleiben.

Arbeitssuchende gehen auf einem geschwungenen Weg auf freie Büroräume zu
Konzeptionelle Darstellung, wie Arbeitsuchende und Stellen zusammenfinden; ohne Arbeitsmarktdaten oder Prognose

Eine Bewegung entlang einer bestehenden Kurve

Bleibt die grundlegende Beziehung zwischen Arbeitssuchenden und offenen Stellen zunächst ähnlich, kann eine schwächere Arbeitskräftenachfrage der Unternehmen die Quote offener Stellen senken. In der üblichen Darstellung geht der Punkt nach unten. Steigt zugleich die Arbeitslosenquote, bewegt er sich außerdem nach rechts. Eine solche Veränderung innerhalb einer als stabil angenommenen Beziehung heißt Bewegung entlang der Kurve.

Die beiden Reihen müssen sich weder im selben Monat noch gleich stark bewegen. Stellenausschreibungen können zuerst zurückgehen, während sich die Wirkung auf Arbeitslosigkeit erst zeigt, wenn Beschäftigte den Arbeitsplatz wechseln, eine Suche beginnen oder den Arbeitsmarkt verlassen. Betriebe können weiterhin Einstellungen vornehmen, obwohl ihre Zahl offener Stellen sinkt. Auch ein Anstieg der Arbeitslosenquote beweist für sich genommen nicht, dass mehr Menschen entlassen wurden.

„Bewegung entlang der Kurve“ ist daher eine analytische Beschreibung und keine festgestellte Ursache. Ein Punkt, der nach unten und rechts wandert, passt zu weniger offenen Stellen und mehr Arbeitslosigkeit. Um zu erklären, warum, braucht man zusätzliche Hinweise zu Einstellungen, Abgängen, Erwerbsbeteiligung, Arbeitsstunden und zur Zusammensetzung von Stellen und Arbeitssuchenden.

Wann verschiebt sich die Kurve?

Manchmal ändert sich die Beziehung zwischen offenen Stellen und Arbeitslosigkeit selbst. Wenn für dieselbe Arbeitslosenquote mehr Stellen offen sein müssen oder bei einer ähnlichen Quote offener Stellen mehr Menschen arbeitslos sind, kann das zu einer Verschiebung nach außen passen. „Nach außen“ beschreibt zunächst nur das Muster im Diagramm und benennt noch keine einzelne Ursache.

Eine mögliche Erklärung ist eine geringere Matching-Effizienz: Anforderungen, Qualifikationen, Arbeitsorte oder Arbeitsbedingungen passen womöglich schlechter zusammen. Dann kann es trotz offener Stellen und Arbeitssuchender länger dauern, bis eine Beschäftigung zustande kommt. Auch eine veränderte Zusammensetzung von Branchen und Arbeitskräften, die Verlagerung von Beschäftigung zwischen Bereichen oder mehr Abgänge aus Beschäftigung können die Beziehung verändern. Mehrere dieser Faktoren können gleichzeitig wirken.

Eine Fed-Note von Andrew Figura und Chris Waller aus dem Jahr 2022 untersucht die Beveridge-Kurve mit einem Modell für Vermittlung und Abgänge. Darin hängt Matching-Effizienz unter anderem davon ab, wie gut Arbeitssuchende zu den offenen Stellen passen; Modellannahmen beeinflussen die abgeleitete Kurve. Die Analyse aus dem Jahr 2022 ist zeitgebunden und modellabhängig, keine amtliche Regel oder aktuelle Prognose. Forschende können außerdem unterschiedlich beurteilen, wie sich Effizienz und Umschichtung voneinander trennen lassen.

Warum die Steigung wichtig ist: ein hypothetisches Beispiel

Auf einem steilen oberen Kurvenabschnitt kann die Quote offener Stellen deutlich sinken, während die Arbeitslosenquote zunächst vergleichsweise wenig steigt, sofern Abgänge und andere Einflüsse ungefähr konstant bleiben. Auf einem flacheren Abschnitt kann ein ähnlicher Rückgang der Stellenquote mit einer stärkeren Veränderung der Arbeitslosigkeit zusammenfallen. Welche Beziehung gilt, hängt von Position und Form der Kurve sowie unter anderem von Abgängen ab.

Zur Veranschaulichung nehmen wir Punkt A mit 3,5 Prozent Arbeitslosenquote und 6,0 Prozent Quote offener Stellen an. Punkt B liege bei 3,8 Prozent Arbeitslosigkeit und 5,0 Prozent offenen Stellen. Von A nach B geht es nach unten und rechts: weniger offene Stellen, etwas mehr Arbeitslosigkeit. Die Werte sind vollständig erfunden; sie stehen weder für einen realen Monat noch für eine Prognose oder eine Schwelle für eine „milde“ Abkühlung.

Punkt C sei bei 5,0 Prozent Arbeitslosigkeit und ebenfalls 5,0 Prozent offenen Stellen. Gegenüber B ist die Stellenquote gleich, die Arbeitslosigkeit aber höher. Das könnte zu einer Verschiebung nach außen passen, beweist jedoch keine gesunkene Matching-Effizienz. Abgänge aus Beschäftigung, die Zusammensetzung von Stellen oder Arbeitssuchenden, Umschichtungen und Datenrevisionen kommen ebenfalls infrage. A, B und C sind alle erfunden und keine tatsächlichen Beobachtungen.

Was die Beveridge-Kurve nicht aussagt

Die Kurve ist weder eine Rezessionsuhr noch ein eigenständiger Test für ein „Soft Landing“. Sie verdichtet einen vielfältigen Arbeitsmarkt auf zwei Quoten und zeigt nicht allein Löhne, Arbeitsstunden, Erwerbsbeteiligung, Arbeitslosigkeitsdauer oder Gründe für das Ausscheiden aus einer Stelle. JOLTS und CPS sind zudem unterschiedliche Erhebungen. Ihre Definitionen, Stichproben und Bezugszeiträume sollten geprüft werden, bevor aus ihren Reihen eine Kausalerzählung wird.

Die am 29. Juli 2022 veröffentlichte Fed-Note fragte, wie stark sinkende offene Stellen die Arbeitslosigkeit unter bestimmten Annahmen über Kurvensteigung, Matching-Effizienz und Abgänge verändern könnten. Die Autoren rechneten Szenarien für den damaligen Kontext durch; ihre Ergebnisse hängen von der Position des Arbeitsmarkts und den Modellannahmen ab. Daraus folgt keine Aussage darüber, was derzeit passieren wird, und keine allgemeine Regel, dass jeder Rückgang der Stellenquote gleich wirkt. Die Fed-Analyse von 2022 sollte als Untersuchung eines bestimmten Zeitraums und Modells gelesen werden.

Für die Frage, ob eine Rezession begonnen hat, braucht man mehrere Indikatoren und eine Methode zur Datierung des Konjunkturzyklus. Um eine Abkühlung am Arbeitsmarkt einzuordnen, sollten offene Stellen zusammen mit Einstellungen, Abgängen, Arbeitslosigkeit, Löhnen und Erwerbsbeteiligung betrachtet werden. Der Leitfaden zu Soft Landing und Rezession erläutert, warum eine Beschreibung der Entwicklung nicht dasselbe ist wie eine Rezessionsdatierung.

Eine praktische Checkliste zum Lesen der Kurve

Prüfen Sie zuerst die Achsen: Arbeitslosigkeit waagerecht, Quote offener Stellen senkrecht. Klären Sie danach, ob beide Reihen aus den USA stammen, monatlich gemessen und auf denselben Zeitraum bezogen sind. Bei einer BLS-Darstellung sollte erkennbar sein, dass die offenen Stellen aus JOLTS und die Arbeitslosenquote aus CPS kommen und ob die Reihen saisonbereinigt sind.

Fragen Sie dann, ob die Veränderung zu einer Bewegung entlang einer ungefähr bestehenden Beziehung passt oder ob sich die Beziehung selbst verändert haben könnte. Bezeichnen Sie die Beobachtung nicht vorschnell als Ursache. Trennen Sie den Bestand offener Stellen am Monatsende von den monatlichen Strömen bei Einstellungen und Abgängen. Ergänzen Sie Informationen zu Abgängen, Branchen- und Stellenstruktur, Arbeitsstunden und Erwerbsbeteiligung. Auch der aktuelle Abschnitt der Kurve zählt: Derselbe Rückgang der Stellenquote kann an anderer Stelle mit einer anderen Arbeitslosenbewegung einhergehen.

Zur Einordnung der Arbeitslosenquote hilft der Leitfaden zu U-3 und U-6. Das Erklärstück zu Okuns Gesetz behandelt den empirischen Zusammenhang zwischen Produktion und Arbeitslosigkeit. Beide Perspektiven ergänzen die Beveridge-Kurve; keine davon macht die Entwicklung mechanisch vorhersagbar.

Häufige Fragen

Q1Steigt die Arbeitslosigkeit zwangsläufig, wenn offene Stellen zurückgehen?

Nein. Ausmaß und Zeitpunkt hängen unter anderem von Einstellungen, Abgängen, Erwerbsbeteiligung, Matching-Effizienz und der Position auf der Kurve ab. Eine niedrigere Quote offener Stellen entscheidet das Ergebnis nicht allein.

Q2Sagt die Beveridge-Kurve eine Rezession voraus?

Nein. Sie vergleicht zwei Arbeitsmarktquoten, datiert aber für sich genommen weder den Beginn einer Rezession noch bestätigt sie ein Soft Landing. Dafür sind weitere Indikatoren, Definitionen und Zeiträume nötig.

Q3Sind offene Stellen dasselbe wie Einstellungen?

Nein. Offene Stellen sind der Bestand unbesetzter Positionen am letzten Geschäftstag des Monats. Einstellungen werden als Strom über den gesamten Monat erfasst. Eine Stelle, die im Monatsverlauf besetzt wurde, ist am Stichtag möglicherweise nicht mehr offen.

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