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US-Arbeitsmarktindikator9 Min. Lesezeit

Was ist die Sahm-Regel? Formel und Grenzen des Rezessionsindikators

Die Sahm-Regel einfach erklärt: 0,50 Prozentpunkte, rollende Durchschnitte, Echtzeit- und revidierte Daten sowie die Grenzen als Rezessionssignal.

In diesem LeitfadenWas ist die Sahm-Regel?

Kurze Zusammenfassung

Die Sahm-Regel vergleicht den jüngsten Dreimonatsdurchschnitt der US-Arbeitslosenquote mit dem niedrigsten entsprechenden Durchschnitt der vorangegangenen zwölf Monate. Sie ist eine Beobachtungsschwelle, keine sichere Prognose oder amtliche Rezessionserklärung.

Was ist die Sahm-Regel?

Die Sahm-Regel ist ein monatlicher Indikator auf Basis der saisonbereinigten nationalen US-Arbeitslosenquote U-3. Sie misst, wie weit der aktuelle Dreimonatsdurchschnitt über dem niedrigsten Dreimonatsdurchschnitt im vorherigen Zwölfmonatszeitraum liegt. Beträgt die Differenz mindestens 0,50 Prozentpunkte, ist die Schwelle erreicht. Die FRED-Reihe Real-time Sahm Rule Recession Indicator (SAHMREALTIME) weist den Wert in Prozentpunkten aus.

U-3 zählt nicht einfach alle Menschen ohne Arbeit. In der Current Population Survey (CPS) gilt jemand grundsätzlich als arbeitslos, wenn die Person nicht beschäftigt und für Arbeit verfügbar ist und in den letzten vier Wochen aktiv gesucht hat. Vorübergehend Entlassene, die eine Rückkehr an ihren Arbeitsplatz erwarten, sind von der aktiven Suche ausgenommen. Die CPS-Definitionen des BLS erläutern diese Einordnung. Die Sahm-Regel bezieht sich deshalb auf eine bestimmte Arbeitslosenmessung und bildet nicht jede Form von Arbeitsmarkt-Schwäche ab.

Wie wird die Schwelle berechnet?

Bilde für jeden Monat den arithmetischen Durchschnitt der saisonbereinigten nationalen U-3-Quote des aktuellen Monats und der beiden Vormonate. Vergleiche diesen Wert anschließend mit dem niedrigsten Dreimonatsdurchschnitt im vorangegangenen Zwölfmonatszeitraum. Die Differenz wird in Prozentpunkten angegeben, nicht als prozentuale Veränderung der Arbeitslosenquote.

Die Formel lautet: Sahm-Indikator = aktueller Dreimonatsdurchschnitt von U-3 − niedrigster Dreimonatsdurchschnitt von U-3 in den vorherigen zwölf Monaten. Die Schwelle ist erreicht, wenn das Ergebnis ≥ 0,50 Prozentpunkte beträgt. Genau 0,50 reicht also aus. Die Hinweise zur FRED-Reihe SAHMREALTIME beschreiben Definition und Einheit.

Ein vollständig hypothetisches Rechenbeispiel

Nehmen wir nur zur Veranschaulichung an, die saisonbereinigten U-3-Werte der letzten drei Monate seien 4,2 %, 4,3 % und 4,4 %. Ihr Durchschnitt ist (4,2 + 4,3 + 4,4) ÷ 3 = 4,30 %. Liegt der niedrigste Dreimonatsdurchschnitt im vorherigen Zeitraum hypothetisch bei 3,80 %, ergibt sich 4,30 % − 3,80 % = 0,50 Prozentpunkte. Das Beispiel erreicht die Schwelle genau.

Alle genannten Werte sind erfunden; sie stehen weder für einen tatsächlichen Monat noch für die aktuelle Lage oder eine Vorhersage. Prozentpunkte und Prozent sind nicht dasselbe. Der Abstand zwischen 3,80 % und 4,30 % beträgt 0,50 Prozentpunkte. Das ist keine relative Steigerung um 0,50 % gegenüber 3,80 %. Der Unterschied ist wichtig, weil die Regel eine Veränderung zwischen zwei Quoten vergleicht.

Menschen gehen über erhöhte Glaswege auf eine Stadt zu
Konzeptuelle Darstellung möglicher Veränderungen der Arbeitslosigkeit am Arbeitsmarkt; die Grafik enthält weder Arbeitsmarktdaten noch eine Prognose

Warum nutzt die Regel einen rollierenden Dreimonatsdurchschnitt?

Der Dreimonatsdurchschnitt glättet einen Teil der monatlichen Schwankungen und verhindert, dass ein einzelner Monatswert die Anzeige vollständig bestimmt. Er entfernt aber nicht jede kurzfristige Unruhe und schützt auch nicht vor Datenrevisionen. Ändert sich ein Monatswert, verändert sich jeder Dreimonatsdurchschnitt, in den dieser Monat eingeht. Beim Weiterrücken des Fensters kann sich die Auswirkung auf die folgenden Werte verteilen.

Der Vergleich mit dem Tiefpunkt der vorangegangenen zwölf Monate macht die Referenz beweglich statt dauerhaft fest. Wie weit der aktuelle Durchschnitt über dem früheren Minimum liegt, hängt deshalb auch davon ab, was im zurückliegenden Jahr geschah. Aus dem aktuellen Monatswert allein lässt sich der Sahm-Wert nicht nachbilden. Man benötigt die monatliche Reihe, dieselbe Definition und Klarheit darüber, welcher Datenstand verwendet wird.

SAHMREALTIME und SAHMCURRENT: Echtzeit oder revidierte Geschichte?

Die FRED-Reihe SAHMREALTIME verwendet für jeden Monat die Arbeitslosenquote und die jüngere Datenhistorie, die damals verfügbar waren. Die Reihe SAHMCURRENT wendet dieselbe Formel auf die heute verfügbare, revidierte Arbeitslosenhistorie an. Historische Werte können daher voneinander abweichen: Eine Reihe hält den damaligen Informationsstand fest, die andere berechnet den Indikator auf Basis des aktuellen Datenstands neu.

Besonders zu beachten sind saisonale Revisionen. Das Bureau of Labor Statistics schätzt die Saisonfaktoren für CPS-Daten jährlich neu und überarbeitet dabei die saisonbereinigte Geschichte. Dadurch können sich jüngere Arbeitslosenwerte und der Abstand der Sahm-Reihe zum früheren Minimum ändern. Die BLS-Methodik zur Saisonbereinigung der CPS beschreibt diese Neuschätzung und die historischen Revisionen. Wer eine alte Veröffentlichung mit dem heutigen FRED-Diagramm vergleicht, sollte prüfen, ob es um eine Echtzeit-Vintage oder die aktuell revidierte Reihe geht.

Was bedeutet ein Wert von 0,50 – und was nicht?

Ein Wert von mindestens 0,50 bedeutet, dass der aktuelle Dreimonatsdurchschnitt der Arbeitslosenquote mindestens 0,50 Prozentpunkte über dem niedrigsten Dreimonatsdurchschnitt im vorgegebenen früheren Zeitraum liegt. Das ist ein Anlass, eine Verschlechterung des Arbeitsmarkts genauer zu beobachten. Der Indikator zeigt aber weder allein die Ursache noch alle wichtigen Seiten der Wirtschaft. Er kann erst ausgelöst werden, nachdem eine Abschwächung bereits eingesetzt hat; er ist daher keine verlässliche Langfristprognose.

Eine mechanische Schwelle garantiert nicht, dass sich jede Konjunkturphase gleich entwickelt. Datenstände, Saisonbereinigung, Arbeitsmarktstruktur und die konkrete wirtschaftliche Lage spielen eine Rolle. Ein Wert über 0,50 erklärt keine Rezession amtlich und löst auch keine staatliche Zahlung automatisch aus. Die Sahm-Regel ist ein Beobachtungsinstrument, kein Rechtsakt und kein Verwaltungsbeschluss.

Ursprung und politischer Zweck des Vorschlags

Claudia Sahm stellte den Indikator 2019 in einem Policy Proposal des Hamilton Project zu direkten Stimuluszahlungen an Einzelpersonen vor. Der Vorschlag verband einen raschen Anstieg der Arbeitslosigkeit mit automatischen Zahlungen, die die Nachfrage stützen sollten, wenn sich die Wirtschaft verschlechtert. Daher wird die Regel oft im Zusammenhang mit automatischen Fiskalstabilisatoren genannt.

Der Vorschlag ist jedoch kein geltendes Gesetz, das allein durch einen FRED-Wert aktiviert wird. Für tatsächliche Zahlungen braucht es eine gesetzliche Grundlage, ein ausgestaltetes Programm, eine Finanzierung sowie Entscheidungen über Anspruch, Höhe und Zeitpunkt. „Die Indikatorschwelle ist erreicht“ beschreibt eine Berechnung. „Die Regierung zahlt jetzt“ wäre eine davon getrennte politische und rechtliche Aussage. Auch ist die Sahm-Schwelle nicht die Rezessionsdefinition des NBER.

Wie lässt sich die Anzeige sinnvoll einordnen?

Notiere zuerst den letzten Datenmonat, ob die U-3-Werte saisonbereinigt sind und ob du SAHMREALTIME oder SAHMCURRENT betrachtest. Zeige dann den aktuellen Dreimonatsdurchschnitt, das frühere Minimum und die Differenz in Prozentpunkten. So können Leser die Rechnung prüfen und erkennen, wie nahe die Reihe an der Schwelle liegt. Bei einem Vergleich verschiedener Datenstände müssen die Revisionen benannt werden.

Betrachte den Indikator danach zusammen mit Produktion, Einkommen, Ausgaben und Beschäftigung. Das NBER Business Cycle Dating Committee datiert Wendepunkte rückblickend anhand einer Reihe von Aktivitätsmaßen und verwendet keine Sahm-Schwelle als automatische Erklärung. Die NBER-FAQ zum Verfahren der Konjunkturdatierung erläutert den breiteren Ansatz. Zur Einordnung passen auch Soft Landing und Rezession im Vergleich, die Beveridge-Kurve und der Vergleich von U-3 und U-6. Diese Texte behandeln verwandte Fragen, machen einen einzelnen Indikator aber nicht zum Gesamturteil über die Wirtschaft.

Häufige Fragen

Q1Sagt die Sahm-Regel eine Rezession lange im Voraus voraus?

Nein. Sie reagiert auf einen jüngeren Anstieg der Arbeitslosigkeit und kann erst ausgelöst werden, nachdem eine Abschwächung begonnen hat. Sie garantiert keine Rezession und ist keine langfristige Vorhersage.

Q2Löst ein Wert von mindestens 0,50 automatisch Stimuluszahlungen aus?

Nein. Sahms Policy Proposal von 2019 schlug einen möglichen politischen Auslöser vor. Der Indikator selbst schafft weder ein Gesetz noch ein Programm oder eine Zahlungsanweisung.

Q3Warum können SAHMREALTIME und SAHMCURRENT voneinander abweichen?

SAHMREALTIME verwendet den Informationsstand, der im jeweiligen Monat verfügbar war. SAHMCURRENT berechnet dieselbe Formel mit der heute revidierten Datenhistorie; jährliche Anpassungen der Saisonfaktoren können frühere Werte ändern.

Quellen und weiterführende Lektüre

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