Arbeitslosenquote U-3 vs. U-6: Was die BLS-Maße erfassen
Erfahren Sie, wie sich die US-Arbeitslosenquoten U-3 und U-6 unterscheiden und wie marginal gebundene Personen sowie unfreiwillige Teilzeitarbeit einfließen.
In diesem LeitfadenWelche Frage beantwortet jede Quote?
Kurze Zusammenfassung
U-3 ist die offizielle Arbeitslosenquote: Die Zahl der Arbeitslosen in der zivilen Erwerbsbevölkerung geteilt durch die zivile Erwerbsbevölkerung. U-6 erweitert das Bild um alle Personen mit marginaler Bindung an den Arbeitsmarkt und um Erwerbstätige, die aus wirtschaftlichen Gründen in Teilzeit arbeiten. Auch der Nenner wird nach der jeweiligen Definition angepasst. Deshalb liegt U-6 meist höher, ist aber nicht einfach U-3 plus die Zahl der entmutigten Beschäftigten.
Welche Frage beantwortet jede Quote?
Das Bureau of Labor Statistics (BLS) des US-Arbeitsministeriums veröffentlicht auf Grundlage der Current Population Survey (CPS) mehrere Maße für nicht ausgeschöpfte Arbeitskraft. U-3 wird üblicherweise als Arbeitslosenquote bezeichnet. Erfasst werden Personen ohne Arbeit, die Arbeit gesucht haben und nach den Erhebungsregeln für eine Beschäftigung verfügbar waren. Die Quote beantwortet eine eng umrissene Frage: Welcher Anteil der Menschen, die arbeiten oder aktiv Arbeit suchen, ist arbeitslos?
U-6 fasst die Definition weiter. Es berücksichtigt Personen, die arbeiten möchten, aber nach der U-3-Definition nicht zur Erwerbsbevölkerung zählen, sowie Beschäftigte, die aus wirtschaftlichen Gründen Teilzeit arbeiten. Damit lässt sich eine breitere Form ungenutzter Arbeitskraft betrachten. U-6 ist jedoch kein vollständiges Maß für wirtschaftliche Not. Arbeitsstunden, Einkommen, Arbeitsplatzsicherheit und persönliche Bedürfnisse unterscheiden sich; eine Quote beschreibt nicht die Lage jedes Einzelnen.
Die beiden Kennzahlen widersprechen einander daher nicht. Sie haben unterschiedliche Abgrenzungen und Nenner. Prüfen Sie vor einem Vergleich in einer Schlagzeile oder Grafik den Namen der Kennzahl, den Zeitraum und ob die Reihe saisonbereinigt ist.
Wer steht im Nenner von U-3?
Die CPS befragt eine Stichprobe der zivilen, nicht in Einrichtungen lebenden Bevölkerung ab 16 Jahren. Diese gesamte Bevölkerungsgruppe ist aber nicht der Nenner von U-3. Das BLS ordnet die Personen nach ihrer Situation während der Referenzwoche als erwerbstätig, arbeitslos oder außerhalb der Erwerbsbevölkerung ein. Erwerbstätige und Arbeitslose bilden zusammen die zivile Erwerbsbevölkerung; sie ist der Nenner von U-3.
Menschen können außerhalb der Erwerbsbevölkerung sein, weil sie studieren, im Ruhestand sind, Angehörige betreuen, derzeit keine Stelle möchten oder die Suchkriterien der Erhebung nicht erfüllen. Sie werden nicht allein deshalb als arbeitslos gezählt, weil sie nicht arbeiten. Die [Begriffe und Definitionen des BLS zur Erwerbsbevölkerung]({source:blsCpsConcepts}) erläutern die Gruppen und Kriterien.
Diese Abgrenzung ist wichtig, wenn Sie die Erwerbsquote oder das Verhältnis von Beschäftigten zur Bevölkerung betrachten. Die Erwerbsquote setzt Erwerbstätige plus Arbeitslose ins Verhältnis zur zivilen, nichtinstitutionellen Bevölkerung ab 16 Jahren. Das Beschäftigten-Bevölkerungs-Verhältnis setzt die Erwerbstätigen zu derselben Bevölkerungsbasis ins Verhältnis. Ihre Nenner sind nicht die Erwerbsbevölkerung und unterscheiden sich somit von U-3.
Wie erweitern U-4 und U-5 die Definition?
Marginal gebundene Personen stehen außerhalb der Erwerbsbevölkerung, wünschen aber eine Stelle, waren für Arbeit verfügbar und haben irgendwann in den vorangegangenen zwölf Monaten nach Arbeit gesucht. In den vier Wochen vor dem Interview haben sie jedoch nicht gesucht. Entmutigte Arbeitskräfte sind eine Teilgruppe davon: Aus arbeitsmarktbezogenen Gründen glauben sie, dass es keine passende Stelle gibt oder die Suche keinen Erfolg verspricht.
Die breiteren BLS-Maße nehmen diese Gruppen teilweise wieder in die Berechnung auf. U-4 zählt entmutigte Arbeitskräfte zusätzlich zu den Arbeitslosen und erweitert den Nenner um dieselben Personen. U-5 berücksichtigt alle marginal gebundenen Personen sowohl im Zähler als auch im Nenner. Da entmutigte Arbeitskräfte bereits zur marginal gebundenen Gruppe gehören, dürfen sie bei U-5 nicht ein zweites Mal hinzugerechnet werden.
Die begleitende konzeptionelle Abbildung stellt diese ineinander verschachtelten Gruppen und die Erweiterung von U-3 zu U-6 dar. Sie enthält keine aktuellen Quoten oder Messwerte und bedeutet nicht, dass jede Person außerhalb der Erwerbsbevölkerung arbeitslos ist.
Das Hinzufügen dieser Gruppen heißt nicht, dass das BLS sie bei U-3 offiziell als arbeitslos neu einstuft. Es handelt sich um alternative Maße mit jeweils eigener Formel. Die [Tabelle der alternativen Arbeitslosenmaße des BLS]({source:blsAlternativeMeasuresTable}) führt die Bestandteile der einzelnen Quoten auf.

Was kommt bei U-6 hinzu?
U-6 baut auf U-5 auf und zählt zusätzlich Beschäftigte hinzu, die aus wirtschaftlichen Gründen Teilzeit arbeiten. Typischerweise haben sie in der Referenzwoche tatsächlich 1 bis 34 Stunden aus wirtschaftlichen Gründen gearbeitet und möchten und können in der Regel eine Vollzeitstelle annehmen. Gründe können eine schwache Arbeitsnachfrage, das Fehlen einer Vollzeitstelle oder eine Verkürzung der Arbeitszeit durch den Arbeitgeber sein.
Diese Personen sind bereits unter den Erwerbstätigen und damit in der Erwerbsbevölkerung enthalten. U-6 nimmt sie zusätzlich in den Zähler auf, fügt sie aber nicht erneut zum Nenner hinzu. Der Nenner bleibt die zivile Erwerbsbevölkerung zuzüglich aller marginal gebundenen Personen. Das unterscheidet U-6 von U-4 und U-5, bei denen die neu einbezogenen Personen sowohl den Zähler als auch den Nenner erweitern.
Nicht jede Teilzeitarbeit fällt darunter. Jemand kann wegen Studium, Familie oder eigener Präferenz weniger Stunden arbeiten. Allein eine Teilzeitstelle reicht nicht aus, um als aus wirtschaftlichen Gründen teilzeitbeschäftigt zu gelten. Entscheidend sind die Gründe für die Arbeitszeit sowie der Wunsch und die Verfügbarkeit für Vollzeitarbeit laut Befragung.
Ein hypothetisches Beispiel von U-3 bis U-6
Angenommen, die zivile Erwerbsbevölkerung umfasst 600 Personen: 576 Erwerbstätige und 24 Arbeitslose. Weitere 18 Personen sind marginal gebunden; darunter sind 7 entmutigte Arbeitskräfte. Von den 576 Erwerbstätigen arbeiten 12 aus wirtschaftlichen Gründen Teilzeit. Sie sind in der Zahl der Erwerbstätigen bereits enthalten.
| Maß | Zähler | Nenner | Ungefähre Berechnung |
|---|---|---|---|
| U-3 | 24 Arbeitslose | 600 Erwerbsbevölkerung | 24 ÷ 600 = 4,0 % |
| U-4 | 24 + 7 Entmutigte | 600 + 7 | 31 ÷ 607 ≈ 5,1 % |
| U-5 | 24 + 18 marginal Gebundene | 600 + 18 | 42 ÷ 618 ≈ 6,8 % |
| U-6 | 24 + 18 marginal Gebundene + 12 Teilzeit aus wirtschaftlichen Gründen | 600 + 18 | 54 ÷ 618 ≈ 8,7 % |
Alle Zahlen sind erfunden, um die Mechanik zu erklären. Sie sind weder aktuelle BLS-Daten noch eine Prognose. Die 7 entmutigten Personen gehören bereits zu den 18 marginal gebundenen und werden deshalb nicht doppelt gezählt. Die 12 Teilzeitbeschäftigten sind schon in der Erwerbsbevölkerung, sodass sie den U-6-Zähler, aber nicht noch einmal den Nenner erhöhen.
Warum ist die Differenz zwischen U-6 und U-3 nicht die Zahl der Entmutigten?
Im Beispiel liegt U-6 etwa 4,7 Prozentpunkte über U-3. Das bedeutet nicht, dass zusätzlich 4,7 % der Menschen entmutigt sind. U-6 nimmt nicht nur die 7 entmutigten Personen auf, sondern alle 18 marginal gebundenen Personen sowie 12 Teilzeitbeschäftigte aus wirtschaftlichen Gründen. Durch die marginal Gebundenen wächst der Nenner außerdem von 600 auf 618. Sowohl Zähler als auch Nenner ändern sich.
Aus der Differenz zweier Quoten lässt sich daher nicht direkt eine Personenzahl ableiten. Sie vergleicht zwei Verhältnisse mit unterschiedlichen Nennern. Dass marginal gebundene Personen in U-3 nicht als arbeitslos gezählt werden, besagt auch nicht, dass sie keine Schwierigkeiten haben. Sie erfüllen lediglich nicht die Arbeitslosendefinition dieses Maßes.
Der Anspruch auf oder der Bezug von Arbeitslosenunterstützung bestimmt ebenfalls nicht die U-3-Einstufung. Die CPS erfasst Beschäftigung, Arbeitssuche und Verfügbarkeit im Referenzzeitraum; sie verwendet dafür nicht die Regeln eines Leistungsprogramms und fragt nicht, ob jemand Leistungen beantragt oder erhalten hat. Eine Person kann nach CPS arbeitslos sein, ohne Leistungen zu bekommen, oder Leistungen erhalten, ohne in der Erhebung als arbeitslos eingestuft zu werden.
Mit Erwerbsbeteiligung und Beschäftigung einordnen
Sinkt U-3, kann das mehrere Gründe haben: Arbeitslose haben vielleicht eine Stelle gefunden, oder einige sind aus der Erwerbsbevölkerung ausgeschieden und dadurch sowohl aus Zähler als auch Nenner von U-3 verschwunden. Deshalb wird U-3 oft zusammen mit der Erwerbsquote und dem Beschäftigten-Bevölkerungs-Verhältnis betrachtet. Je nach Frage sind auch Beschäftigtenzahlen, Arbeitsstunden und Löhne relevant. Keine einzelne Kennzahl erklärt für sich den Grund einer Veränderung.
Die Erwerbsquote ist der Anteil der Erwerbstätigen und Arbeitslosen an der zivilen, nichtinstitutionellen Bevölkerung ab 16 Jahren. Das Beschäftigten-Bevölkerungs-Verhältnis gibt den Anteil der Erwerbstätigen an derselben Bevölkerungsgruppe an. Wenn sich die Bereitschaft zur Arbeitssuche oder die Verfügbarkeit ändert, kann die Erwerbsbeteiligung anders verlaufen als die Arbeitslosenquote.
Auch U-6 liefert kein vollständiges Bild. Es misst nicht direkt, ob der Lohn zum Leben reicht, ob ein Arbeitsplatz sicher ist, ob jemand unter seiner Qualifikation arbeitet, unbezahlte Pflege, Gesundheit oder regionale Lebenshaltungskosten. Eine Teilzeitkraft kann mit ihren Stunden zufrieden sein, während eine Vollzeitkraft finanzielle Probleme hat. U-6 erweitert die Sicht auf einige Formen ungenutzter Arbeitskraft, ist aber nicht automatisch „besser“ und kein umfassendes Maß für alle Belastungen.
Grenzen der CPS und faire Vergleiche
Die CPS ist eine monatliche Stichprobenerhebung und keine Zählung jeder Person. Schätzungen unterliegen daher Stichprobenfehlern; kleine Bewegungen allein belegen noch keinen großen wirtschaftlichen Wandel. Antworten, Zuordnungen, Saisonmuster und Überarbeitungen der Reihen können Vergleiche ebenfalls beeinflussen. Das [CPS-Handbuch des BLS]({source:blsCpsHandbook}) erläutert Erhebungsdesign, Verfahren und Fehlerquellen.
Saisonbereinigte Daten entfernen wiederkehrende Kalender- und Saisonmuster, damit kurzfristige Bewegungen leichter zu erkennen sind. Nicht saisonbereinigte Daten zeigen die Schätzung ohne diese Anpassung. Vergleichen Sie saisonbereinigte Reihen mit saisonbereinigten oder unbereinigte mit unbereinigten Reihen. Nennen Sie Monat, Zeitraum und Veröffentlichungsstand, wenn es auf Genauigkeit ankommt. Ein saisonbereinigter Wert und ein nicht bereinigter Wert haben nicht dieselbe Vergleichsbasis.
Die vier Kennzahlen beschreiben den Arbeitsmarkt nach CPS-Regeln; sie sind weder Vorhersagen noch Urteile über einzelne Personen. Lesen Sie Definition, Zähler und Nenner und prüfen Sie dann für Ihre Frage auch Erwerbsbeteiligung, Beschäftigung oder weitere Daten. Alle Berechnungen in diesem Artikel sind hypothetisch. Tatsächliche Werte finden Sie in der jeweiligen BLS-Veröffentlichung samt Hinweis zur Saisonbereinigung.
Einen Überblick über die staatlichen Arbeitslosenmaße U-1 bis U-6 bietet die [Erklärung des BLS zur Messung der Arbeitslosigkeit]({source:blsGovernmentMeasuresUnemployment}). Zum Einordnen weiterer US-Konjunkturdaten lesen Sie auch nominales und reales BIP, den Vergleich von CPI, PCE und BIP-Deflator sowie Risiken rund um FOMC-, CPI- und Arbeitsmarktberichte.
Häufige Fragen
Q1Ist U-6 die tatsächliche Arbeitslosenquote?
Keine einzelne Quote fasst alle Seiten des Arbeitsmarkts zusammen. U-3 ist das engere offizielle Maß nach der CPS-Definition; U-6 berücksichtigt zusätzlich einige marginal gebundene Personen und Teilzeitbeschäftigte aus wirtschaftlichen Gründen. Wählen Sie die Kennzahl passend zur Frage und prüfen Sie ihre Definition und ihren Nenner.
Q2Zählt jede Person ohne Arbeit bei U-3 als arbeitslos?
Nein. In der Regel muss eine Person aktiv Arbeit gesucht haben und verfügbar sein; für vorübergehend Entlassene gelten bestimmte Ausnahmen. Viele Menschen außerhalb der Erwerbsbevölkerung suchen keine Stelle oder sind nicht verfügbar und werden deshalb nicht als arbeitslos in U-3 gezählt.
Q3Bestimmt der Bezug von Arbeitslosenunterstützung die Einstufung in U-3?
Nein. Anspruch und Bezug von Leistungen sind von der CPS-Klassifizierung getrennt. U-3 richtet sich nach Beschäftigung, Arbeitssuche und Verfügbarkeit während des Referenzzeitraums, nicht danach, ob jemand Leistungen erhält.
Quellen und weiterführende Lektüre
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