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Arbeitslosigkeit und Inflation9 Minuten Lesezeit

Was bedeutet NAIRU? Natürliche Arbeitslosigkeit und Schätzunsicherheit

Erfahren Sie, was die NAIRU misst, wie sie sich von der beobachteten U-3-Quote unterscheidet und warum ihre Schätzungen unsicher sind.

In diesem LeitfadenWas bedeutet „nicht inflationsbeschleunigende Arbeitslosenquote“?

Kurze Zusammenfassung

Die NAIRU ist eine geschätzte Arbeitslosenquote, die unter bestimmten Modellannahmen mit einer nicht weiter ansteigenden Inflation vereinbar ist. Sie ist weder direkt beobachtbar noch ein Monatswert oder eine für alle Länder und Zeiträume feste Größe. Ihre Bedeutung und ihre Schätzung hängen von Methode, Daten und Betrachtungszeitraum ab.

Was bedeutet „nicht inflationsbeschleunigende Arbeitslosenquote“?

NAIRU steht für „Non-Accelerating Inflation Rate of Unemployment“. Gemeint ist ein Arbeitslosenwert, bei dem die Inflationsrate im jeweiligen Modell nicht dauerhaft steigt oder fällt, sofern die übrigen Annahmen stabil bleiben. Das bedeutet nicht, dass die Preise unverändert bleiben. Sie können beispielsweise weiter um 2 oder 5 Prozent im Jahr steigen, während die Inflationsrate gleich bleibt. Ein kräftiger Energieschock oder veränderte Inflationserwartungen können die Inflation auch bei unveränderter Arbeitslosigkeit nach oben treiben.

In seiner Methodenpräsentation von 2023 definierte das CBO seine nichtzyklische Arbeitslosenquote als Arbeitslosigkeit, die aus allen Quellen außer Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage entsteht. Auch sie ist eine Schätzung und keine direkt beobachtete Größe. {source:cboNoncyclicalRate2023}

Warum ist die NAIRU nicht dasselbe wie die beobachtete U-3-Quote?

Die U-3-Quote ist die zentrale veröffentlichte Arbeitslosenkennzahl der USA und basiert auf einer Haushaltsbefragung, die nach festgelegten Kriterien als arbeitslos eingestufte Personen ins Verhältnis zur Erwerbsbevölkerung setzt. Sie beschreibt eine beobachtete Situation für einen bestimmten Zeitraum. NAIRU und natürliche Arbeitslosenquote sind dagegen breitere Modellkonzepte, die aus mehreren Datenreihen abgeleitet werden und keine Umfragewerte sind. Ein U-3-Bericht verrät die NAIRU daher nicht direkt. Dass die Zahlen voneinander abweichen, macht nicht automatisch eine davon falsch.

„Natürlich“ bedeutet auch nicht null Arbeitslosigkeit. Menschen wechseln den Arbeitsplatz, suchen eine Stelle oder brauchen Zeit, bis Fähigkeiten und Standort zu offenen Stellen passen. Auch in einem aktiven Arbeitsmarkt gibt es Übergänge und Vermittlungshemmnisse. Vollbeschäftigung ist weder mit null Arbeitslosigkeit noch mit einem einzelnen NAIRU-Schätzwert oder einem allgemeingültigen Prozentsatz gleichzusetzen; sie macht NAIRU auch nicht automatisch zu einem politischen Ziel.

Natürlich, nichtzyklisch und NAIRU: verwandt, aber nicht austauschbar

Ein CBO-Arbeitspapier aus dem Jahr 2007 beschreibt die natürliche Quote als Arbeitslosigkeit, die aus anderen Quellen als konjunkturellen Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage entsteht. Demnach sollen natürliche Quote und NAIRU langfristig zusammenfallen, können sich aber auf einem kurzfristigen Prognosehorizont unterscheiden. Die natürliche Quote bezieht sich meist auf ein längerfristiges Gleichgewicht des Arbeitsmarkts; die NAIRU bezeichnet in einem bestimmten Modell die mit stabiler Inflation vereinbare Arbeitslosigkeit; eine nichtzyklische Quote trennt in einem Analyseverfahren den zyklischen Anteil von anderen Komponenten. Das Arbeitspapier ist eine datierte Forschungsanalyse und keine aktuelle allgemeingültige CBO-Schätzung. {source:cboNaturalRate2007} {source:frbMishkinPotentialOutput2007}

Prüfen Sie daher bei einer veröffentlichten Zahl die Bezeichnung, Definition, Methode und den Zeitraum. Setzen Sie die „natürliche“ Quote einer Institution nicht ohne Weiteres mit der NAIRU einer anderen gleich. Ein ähnlicher Name beweist nicht, dass die Konzepte identisch sind.

Textfreie Illustration von Beschäftigten auf dem Weg zwischen Arbeitsstätten, überlagert von zwei leicht versetzten, durchscheinenden Referenzbändern und einem schattierten Bereich.
Die versetzten Bänder stehen für unterschiedliche Schätzungen einer Arbeitslosenquote als Referenz; der schattierte Bereich zeigt die Unsicherheit. Die Konzeptillustration enthält keine Wörter und Zahlen.

Wie beeinflussen Jobwechsel und die Vermittlung von Stellen die Schätzung?

Die nichtzyklische Arbeitslosigkeit hat nicht nur eine Ursache. Menschen verlassen eine Stelle und suchen eine andere, benötigen vielleicht eine Weiterbildung oder finden passende offene Stellen nicht in ihrer Region. Auch die Altersstruktur der Erwerbsbevölkerung, Zu- und Abgänge, die Organisation von Arbeitsplätzen und die Art der Suche verändern sich. Solche Friktionen beeinflussen, wie rasch Arbeitslose eine Stelle finden und wie viel Arbeitslosigkeit bestehen kann, ohne dass der Inflationsdruck zunimmt.

Ein CBO-Arbeitspapier von 2007 verknüpft die natürliche Arbeitslosenquote mit der Schaffung und dem Abbau von Arbeitsplätzen, Arbeitsplatzwechseln und der Geschwindigkeit, mit der Arbeitsuchende und offene Stellen zusammenfinden. {source:cboNaturalRate2007}

Auch die Passung zwischen Arbeitskräften und offenen Stellen kann sich ändern. Wenn Fähigkeiten oder Standorte schlechter zusammenpassen, kann eine Stelle länger offen bleiben, obwohl es Arbeitslose gibt. Bessere Vermittlung oder eine veränderte Erwerbsbeteiligung können ein anderes Bild ergeben. Eine einzelne Zahl zu Stellenangeboten oder Arbeitslosigkeit identifiziert die Ursache jedoch nicht. Jerome Powell von der Federal Reserve behandelt den Strukturwandel und die Unsicherheit bei Schätzungen der nachhaltigen Arbeitslosenquote. {source:fedPowellMonetaryPolicyChangingEconomy2018}

Wie wird ein nicht beobachtbarer Referenzwert geschätzt?

Ökonominnen und Ökonomen verbinden Arbeitsmarkt-, Lohn-, Inflations- und demografische Daten. Mit statistischen und ökonomischen Modellen versuchen sie, langsamere Trends von konjunkturellen Ausschlägen zu trennen. Je nach Modell fließen Beziehungen zwischen Löhnen und Preisen, Inflationserwartungen sowie Annahmen zur Erwerbsbeteiligung, Produktivität und Struktur des Arbeitsmarkts ein. Das Ergebnis hängt somit von Modell und Datenauswahl ab; es ist keine direkte Zählung einer bestimmten Gruppe von Beschäftigten.

In seiner Methodenpräsentation von 2023 beschrieb das CBO sein damaliges Verfahren so: Die Arbeitslosenquoten des vierten Quartals 2005 wurden für 516 demografische Gruppen nach Geschlecht, Bildung, Alter und ethnischer Zugehörigkeit konstant gehalten. Anschließend wurden sie mit den sich ändernden Anteilen dieser Gruppen an der Erwerbsbevölkerung zu einem gewichteten Wert zusammengeführt. Außerdem stellte das CBO einen alternativen Trend-Zyklus-Ansatz vor, dessen Nutzen es damals noch prüfte. Das ist die datierte Beschreibung des Verfahrens einer Institution, keine allgemeingültige Formel. {source:cboNoncyclicalRate2023}

Neue Beobachtungen und Datenstände sowie Entscheidungen über Modell, Definition, Zeithorizont und Annahmen können die Schätzung verändern. Behandeln Sie sie deshalb als revidierbare Schätzung und nicht als monatlich präzise bekannte Tatsache. Jerome Powell hat die Unsicherheit von Echtzeitschätzungen der natürlichen Quote und ihre mögliche Revision bei neuen Informationen beschrieben. {source:fedPowellMonetaryPolicyChangingEconomy2018} {source:frbMishkinPotentialOutput2007}

Arbeitslosigkeitslücke: Achten Sie zuerst auf die Rechenrichtung

Die Arbeitslosigkeitslücke lässt sich so definieren:

Arbeitslosigkeitslücke = beobachtete Arbeitslosenquote − geschätzte Referenzquote

Ein positives Ergebnis bedeutet, dass die beobachtete Quote über dem geschätzten Referenzwert liegt; ein negatives, dass sie darunter liegt. Geben Sie den Abstand in Prozentpunkten an: Der Unterschied zwischen 4,2 und 4,6 Prozent beträgt 0,4 Prozentpunkte, nicht einen relativen Anstieg von 0,4 Prozent. Andere Berichte können die Subtraktion umgekehrt definieren. Prüfen Sie daher die Vorzeichenkonvention, bevor Sie die Zahl interpretieren.

Auch dann verrät das Vorzeichen allein nicht, wie sich Preise oder Löhne entwickeln werden. Der Referenzwert ist selbst geschätzt, und Inflation hängt außerdem von Erwartungen, Schocks und institutionellen Faktoren ab. Die Lücke ordnet den Vergleich zwischen einer beobachteten Quote und einem Modellwert; sie ist keine eigenständige Prognose.

Hypothetisches Beispiel: eine Beobachtung, zwei Referenzwerte

Angenommen, die beobachtete U-3-Quote beträgt 4,6 Prozent. Nur für dieses Lehrbeispiel schätzt eine Institution die NAIRU auf 4,2 Prozent und eine zweite auf 5,0 Prozent. Nach der obigen Definition ergibt sich:

  • Erste Schätzung: 4,6 % − 4,2 % = +0,4 Prozentpunkte; die beobachtete Arbeitslosigkeit liegt über dem Referenzwert.
  • Zweite Schätzung: 4,6 % − 5,0 % = −0,4 Prozentpunkte; die beobachtete Arbeitslosigkeit liegt unter dem Referenzwert.

Die Arbeitslosenquote hat sich nicht geändert; unterschiedlich ist der nicht beobachtbare Referenzwert. Keine der beiden Schätzungen beweist, dass die Inflation steigen oder sinken wird. Die Zahlen sind weder aktuelle Daten noch eine Prognose. Das Beispiel zeigt, warum Sie neben dem Wert auch Methode und Unsicherheit betrachten sollten.

Wie lesen Sie eine Schätzung, ohne daraus ein Ziel oder eine Prognose zu machen?

Prüfen Sie, welche Institution die Schätzung erstellt hat, wie sie den Wert definiert, welchen Zeitraum sie abdeckt und wann sie veröffentlicht oder revidiert wurde. Kontrollieren Sie außerdem die Formel für die Lücke und die verwendete Arbeitslosenkennzahl. Vergleichen Sie den Wert mit Erwerbsbeteiligung, Beschäftigung, offenen Stellen und Wechseln zwischen Arbeitsplätzen; jede Kennzahl beleuchtet einen anderen Teil des Arbeitsmarkts. Der Leitfaden zur Phillips-Kurve behandelt das Modellverhältnis von Arbeitsmarktreserven und Inflation, U-3 und U-6 erklären den Umfang der Arbeitslosenmessung und die Beveridge-Kurve zeigt offene Stellen und Vermittlung.

Es gibt keine weltweit feste NAIRU und keine Garantie, dass eine bestimmte Quote mit einer bestimmten Inflation einhergeht. Verwenden Sie den Wert als veränderliche analytische Referenz und nennen Sie Modell, Zeitraum und Unsicherheit.

Häufige Fragen

Q1Bedeutet NAIRU, dass die Inflation null ist?

Nein. Gemeint ist, dass sich die Inflationsrate unter bestimmten Modellannahmen nicht beschleunigt. Sie kann positiv und stabil sein; Angebotsschocks oder veränderte Erwartungen können sie trotzdem verändern.

Q2Ist die NAIRU dasselbe wie die natürliche Arbeitslosenquote?

Die Begriffe werden manchmal ähnlich verwendet, doch Definitionen können sich nach Institution, Modell und Zeitraum unterscheiden. Prüfen Sie Methode und Definition, statt die Werte automatisch gleichzusetzen.

Q3Steigt die Inflation, wenn die Arbeitslosigkeit unter der NAIRU liegt?

Nicht zwingend. Die Lücke vergleicht eine Beobachtung mit einem geschätzten Referenzwert und ist keine Prognose. Erwartungen, Angebotsschocks und Veränderungen am Arbeitsmarkt können den Zusammenhang verschieben; auch die Schätzung kann revidiert werden.

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