M1, M2 und Geldbasis: Was die Kennzahlen erfassen
Vergleiche M1, M2 und die US-Geldbasis, verstehe Änderungen der Einordnung und erfahre, was die Statistik zu Stablecoins sagt.
In diesem LeitfadenGeldmenge ist eine statistische Abgrenzung
Kurze Zusammenfassung
Die US-Geldbasis umfasst umlaufendes Bargeld und Reserveguthaben der Banken bei der Federal Reserve. M1 und M2 erfassen bestimmte private Bargeld- und Einlagenbestände; die drei Größen beantworten deshalb unterschiedliche Fragen.
Geldmenge ist eine statistische Abgrenzung
„Die Geldmenge“ ist kein einzelner Kontostand, den jemand vollständig halten könnte. Statistikstellen legen fest, welche liquiden Zahlungsmittel, Einlagen und kurzfristigen Sparanlagen in einen bestimmten Maßstab eingehen. M1 und M2 sind dabei abgestuft, während die Geldbasis zusätzlich Reserven zwischen Banken und Zentralbank erfasst.
Dieser Artikel beschreibt die US-Definitionen in der H.6-Veröffentlichung der Federal Reserve. Andere Länder können M1 und M2 anders abgrenzen. Die Zugehörigkeit zu einer Geldmenge sagt für sich genommen weder aus, wie wohlhabend Haushalte sind, noch wie viel sie ausgeben oder ob die Inflation künftig steigt.
Was die drei US-Kennzahlen in H.6 zählen
Die Geldbasis besteht aus umlaufendem Bargeld plus Reserveguthaben der Einlageninstitute auf Konten bei Federal-Reserve-Banken. Zum umlaufenden Bargeld zählen Banknoten und Münzen außerhalb des US-Finanzministeriums und der Federal Reserve; dazu kann auch Bargeld in Banktresoren gehören. Reserven sind dagegen Guthaben von Banken bei der Zentralbank, nicht die Giroeinlagen ihrer Kundschaft.
M1 umfasst Bargeld außerhalb des Finanzministeriums, der Federal Reserve und der Banktresore sowie die im US-Konzept erfassten Sichteinlagen und sonstigen liquiden Einlagen. Dazu zählen heute auch Spareinlagen. M2 setzt sich aus M1, kleinen Termineinlagen mit einem ursprünglichen Betrag unter 100.000 US-Dollar und Guthaben in Geldmarktfonds für Privatkunden zusammen; IRA- und Keogh-Guthaben bei Einlageninstituten und Geldmarktfonds werden abgezogen. Die [aktuelle H.6-Veröffentlichung der Federal Reserve zu den Geldmengen]({source:fedH6CurrentMoneyStockMeasures}) erläutert die Komponenten in den Tabellen und Fußnoten.
Die Geldbasis kann sich also verändern, wenn sich die Reserveguthaben der Banken ändern, ohne dass Haushalte entsprechend mehr Sichteinlagen halten. Umgekehrt sind M1 und M2 keine vollständigen Vermögensbilanzen der privaten Haushalte oder des Staates.

Ein hypothetisches Beispiel mit denselben Zeitraumwerten
Angenommen, in einem erfundenen Zeitraum beträgt das umlaufende Bargeld 300 Milliarden US-Dollar. Davon liegen 20 Milliarden in Banktresoren; die Reserveguthaben betragen 500 Milliarden. Dann ergibt sich eine Geldbasis von 300 + 500 = 800 Milliarden US-Dollar. Das Bargeld in der Hand der Öffentlichkeit beträgt im Beispiel 280 Milliarden, nachdem das Bargeld in den Tresoren abgezogen wurde.
Bei 1.520 Milliarden US-Dollar an Sichteinlagen und sonstigen liquiden Einlagen wäre M1 gleich 280 + 1.520 = 1.800 Milliarden. Addiert man 250 Milliarden an kleinen Termineinlagen und 400 Milliarden in Geldmarktfonds für Privatkunden und zieht 50 Milliarden an IRA- und Keogh-Guthaben ab, beträgt M2 1.800 + 250 + 400 − 50 = 2.400 Milliarden US-Dollar.
Alle Beträge sind erfunden und dienen nur dazu, die Rechenregeln für denselben Zeitraum zu zeigen. Sie sind weder aktuelle H.6-Daten noch eine Schätzung. Das Beispiel trennt außerdem Bargeld in Banktresoren von Bargeld, das die Öffentlichkeit hält: Beides wird nicht in jeder Kennzahl gleich behandelt.
Der M1-Sprung von 2020 war eine Umbuchung in der Statistik
Im Mai 2020 nahm die Federal Reserve Spareinlagen in die Kategorie „other liquid deposits“ und damit in M1 auf. In der veröffentlichten M1-Reihe entstand dadurch ein statistischer Sprung von ungefähr 11,2 Billionen US-Dollar. Dieser Sprung bedeutet nicht, dass in diesem Monat ebenso viel neues Geld geschaffen wurde; bestehende Einlagen wechselten ihre statistische Kategorie.
Die gesamten M2-Bestände blieben durch diese Neuklassifizierung unverändert, weil Spareinlagen bereits in M2 enthalten waren. Ein Teil von M2 wurde nun M1 zugeordnet, ohne dass derselbe Betrag noch einmal zum breiteren Gesamtwert hinzukam. Die [technischen Fragen zur H.6-Reihe]({source:fedH6TechnicalQAs}) und die [Analyse des Einlagenwachstums während der Pandemie durch die Federal Reserve]({source:fedBankDepositGrowthPandemic2022}) helfen, definitionsbedingte Sprünge von tatsächlichen Einlagenbewegungen zu unterscheiden.
Wer M1-Wachstumsraten über 2020 hinweg vergleicht, sollte den Definitionswechsel und die Zeitreihe beachten. Ein sichtbarer Sprung in einer Reihe ist nicht automatisch ein gleich großer Zufluss an neu geschaffenen Einlagen oder zusätzliche Ausgaben.
Die H.6-Änderung 2026 verschob Komponenten von M2
Ab dem 28. Juli 2026 zieht die Federal Reserve IRA- und Keogh-Guthaben auf der Ebene des gesamten M2 ab, statt sie einzelnen M2-Komponenten zuzuordnen. Dadurch stiegen die ausgewiesenen Reihen für kleine Termineinlagen und Geldmarktfonds für Privatkunden, weil die Abzüge nicht mehr in diesen Einzelkomponenten verbucht wurden. Die nicht saisonbereinigte M2-Summe blieb gleich; beim saisonbereinigten M2-Gesamtwert gab es nur geringfügige Revisionen. Die [aktualisierten technischen Fragen zu H.6]({source:fedH6TechnicalQAs}) beschreiben Zeitpunkt und Wirkung.
Einzelne Tabellenzeilen können sich somit verändern, obwohl der Gesamtwert gleich bleibt. Beim Vergleich älterer Grafiken mit aktuellen Veröffentlichungen ist zu prüfen, ob beide saisonbereinigt sind und welche Netting-Methode sowie historische Revisionen gelten. Eine Bewegung in einer Komponente entspricht nicht zwingend einer gleich großen Bewegung im gesamten M2.
Bankreserven sind keine Einlagen der Haushalte
Reserveguthaben sind für eine Bank ein Aktivposten und für die Federal Reserve eine Verbindlichkeit. Banken nutzen sie, um Zahlungen zwischen Instituten abzuwickeln und Liquidität zu steuern. Kunden können Reserven nicht direkt von ihrem Girokonto abheben; ihre Einlage ist eine Verbindlichkeit ihrer Bank. Die [FAQ der Federal Reserve zu IORB und Reserveguthaben]({source:fedIorbFaq}) erläutert diese Bilanzbeziehungen.
Wenn eine Bank einen Kredit vergibt, entstehen in ihrer Bilanz typischerweise ein Kredit als Aktivposten und eine entsprechende Einlage als Verbindlichkeit. Werden Zahlungen an andere Banken geleistet, müssen Abwicklung und Finanzierung funktionieren. Daraus folgt aber kein universeller mechanischer Multiplikator, der jeden zusätzlichen Dollar an Reserven in eine feste Menge an Krediten oder Einlagen verwandelt.
Mehr Reserven bedeuten daher nicht automatisch einen gleich großen Anstieg von M1 oder M2. Auch das Einlagenwachstum einer bestimmten Krisenphase liefert keine allgemeingültige mechanische Inflationsprognose. Die [Untersuchung der Federal Reserve zum Einlagenwachstum während der Pandemie]({source:fedBankDepositGrowthPandemic2022}) ist eine Analyse eines konkreten Zeitraums, keine universelle Kausalregel.
Die Studie unterscheidet auch nach dem Verkäufer eines Wertpapiers: Kauft die Fed von einem Nichtbank-Verkäufer, können bei dessen Bank Reserven und für den Verkäufer eine Einlage entstehen. Kauft sie direkt von einer Bank, wird ein Wertpapier gegen Reserven getauscht; dabei entsteht nicht unmittelbar eine Kundeneinlage. Die [Untersuchung zum Einlagenwachstum während der Pandemie]({source:fedBankDepositGrowthPandemic2022}) beschreibt diese Bilanzmechanik.
Tokenisierte Einlagen und Stablecoins sind eine Messfrage
Nach der aktuellen H.6-Abgrenzung werden tokenisierte Einlagen nach der Art der zugrunde liegenden Einlage erfasst: als M1 oder als Teil von M2 außerhalb von M1. Tokenisierte Anteile an Retail-Geldmarktfonds zählen zur Retail-Geldmarktfonds-Komponente von M2; tokenisierte Formen werden dort nicht als eigene Kategorie ausgewiesen. Zahlungs-Stablecoins sind keine gesondert veröffentlichte Komponente des aktuellen H.6. Die [aktuelle H.6-Veröffentlichung]({source:fedH6CurrentMoneyStockMeasures}) und die [Forschungsnotiz zu neuen Geldformen]({source:fedNewFormsMoneyAggregates2026}) erläutern diese Einordnung.
Eine am 4. September 2026 veröffentlichte Forschungsnotiz zweier Federal-Reserve-Fachleute untersucht, wie tokenisierte Einlagen, tokenisierte Geldmarktfonds und Zahlungs-Stablecoins in Geldmengenstatistiken beurteilt werden könnten. Die [Notiz zu neuen Geldformen und US-Geldmengen]({source:fedNewFormsMoneyAggregates2026}) ist unabhängige Forschung ihrer Autoren und keine geldpolitische Entscheidung der Federal Reserve.
Eine mögliche künftige Zuordnung von Zahlungs-Stablecoins könnte von ihrer Funktion abhängen. Werden sie als Zahlungsmittel für alltägliche Transaktionen verwendet, könnte das für eine Einordnung in M1 sprechen; dienen sie vorwiegend als kurzfristiger Wertspeicher, könnte eine nicht zu M1 gehörende M2-Komponente eher passen. Die Notiz betont, dass dafür verlässliche Umlaufdaten, einheitliche Berichtswege, Schutz vor Doppelzählung der Reserveanlagen und eine Abgrenzung der globalen Nutzung erforderlich wären.
Die derzeitige H.6-Tabelle zeigt Stablecoins nicht als eigene Komponente. Daraus sollte weder abgeleitet werden, dass Stablecoins bereits als separater Posten in M1 oder M2 stehen, noch dass jede künftige Definition feststeht. Statistische Einordnung ist außerdem etwas anderes als die Frage, ob ein Token seinen Zielkurs hält oder zu welchen Bedingungen er eingelöst werden kann. Dazu dient der separate Leitfaden zu Stablecoin-Depegs, Rücknahme und Reserve-Risiken.
Die Kennzahl muss zur Frage passen
Wer Bargeld und Bankreserven bei der Zentralbank zusammen betrachten will, kann die Geldbasis heranziehen. Für besonders liquide, nach US-Definition verfügbare private Zahlungsmittel ist M1 geeigneter. M2 ergänzt weitere liquide Sparformen. Vor einem Zeitvergleich sollten die Definition, der Veröffentlichungsstand und eine mögliche saisonale Bereinigung geprüft werden.
Keine dieser Kennzahlen ist das Gesamtvermögen der Haushalte, sämtliche Vermögenswerte der Federal Reserve oder der tatsächliche Konsum. Ein Anstieg von M2 allein sagt auch nicht voraus, dass Inflation zu einem bestimmten Zeitpunkt um einen bestimmten Betrag steigen wird. Zur Übertragung von Leitzinsen auf Kreditzinsen siehe Federal Funds Rate und Prime Rate im Vergleich; für die getrennte Messung von Preisen siehe CPI, PCE und BIP-Deflator im Vergleich.
Bei internationalen Vergleichen sind die Definitionen der jeweiligen Zentralbank entscheidend. M1 und M2 können anders zusammengesetzt und in anderen Zeitabständen veröffentlicht werden. Nenne deshalb immer Land, Zeitraum, Maßstab und Datenstand, statt Kennzahlen gleichen Namens ohne Prüfung gleichzusetzen.
Häufige Fragen
Q1Steigen M2 und die Geldbasis immer gemeinsam?
Nein. Die Geldbasis umfasst auch Reserven, die Banken bei der Federal Reserve halten. M2 beruht auf einer anderen Abgrenzung privater Bargeld- und Einlagenbestände; es gibt keine feste Eins-zu-eins-Beziehung.
Q2Gehören Spareinlagen heute zu M1?
Ja. Nach der aktuellen US-Abgrenzung zählen Spareinlagen zu den sonstigen liquiden Einlagen. Ihre Umklassifizierung 2020 ließ die M1-Reihe springen, ohne dass dadurch allein neue Einlagen geschaffen wurden.
Q3Werden Stablecoins bereits in M1 oder M2 ausgewiesen?
H.6 weist sie nicht als eigene Position aus. Eine Federal-Reserve-Forschungsnotiz bespricht mögliche künftige Zuordnungen, kennzeichnet diese aber als unabhängige Forschung und nicht als Politikbeschluss.
Quellen und weiterführende Lektüre
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