Liquidation bei Krypto-Perpetuals: Preis, Margin und Ausführung
Erfahre, was eine Liquidation auslöst, warum der Referenzpreis vom letzten Kurs abweichen kann und wie die Orderbuchtiefe den tatsächlichen Schlusskurs beeinflusst.
In diesem LeitfadenDer Auslöser ist eine Margin-Anforderung
Kurze Zusammenfassung
Eine Liquidation ist ein von der Plattform ausgelöster Margin-Prozess, wenn das nach ihren Regeln berechnete Eigenkapital eine Anforderung nicht erfüllt. Der angezeigte Schwellenpreis ist eine Schätzung und garantiert weder den Ausführungskurs noch das Ergebnis der Schließung.
Der Auslöser ist eine Margin-Anforderung
Während eine Position offen ist, vergleicht die Plattform das anrechenbare Eigenkapital mit der erforderlichen Maintenance-Margin. Unrealisierte Verluste, Funding, Gebühren, der Sicherheitenwert, die Positionsgröße und das Margin-Level können das Ergebnis beeinflussen. Wird die Anforderung verletzt, darf die Plattform Orders stornieren, die Position reduzieren oder schließen oder einen anderen in den Bedingungen vorgesehenen Ablauf starten.
Der angezeigte Liquidationspreis fasst Annahmen über Kontrakt, Margin, Sicherheit und Kontostand zusammen. Er hilft beim Einschätzen eines Szenarios, beweist aber nicht, dass die ganze Position genau dort ausgeführt werden kann oder genügend Tiefe im Orderbuch vorhanden ist. Der Leitfaden zum Liquidationspreis bei Futures erklärt solche Schätzungen; bei Perpetuals gelten zusätzlich die jeweiligen Plattformregeln.
Der auslösende Kurs muss nicht der letzte Kurs sein
Der letzte Kurs ist der jüngste Trade. Der Mark Price ist eine von der Plattform definierte Referenz für Bewertung und Risikokontrollen. Index oder Oracle können Spotdaten zusammenfassen. Für eine Liquidation kann einer dieser Werte oder eine weitere Regel maßgeblich sein. Ein einzelner Orderbuch-Trade muss daher nicht dem Kurs entsprechen, den die Margin-Engine bewertet.
Hyperliquid dokumentiert einen Mark Price, der externe Daten und das eigene Orderbuch verbindet und für Margin sowie Liquidationen verwendet wird. Der Oracle-Preis wird separat ermittelt und fließt in Funding ein. Andere Plattformen können andere Quellen, Intervalle und Ersatzregeln haben. Notiere Produkt, Preisfeld, Zeitpunkt und dessen Funktion; leite den Risikokurs nicht aus einem beliebigen Chart ab.
Auch der Kontomodus spielt eine Rolle. Bei Cross-Margin können Verluste anderer Positionen das gemeinsame Eigenkapital senken und die Schätzung verändern, obwohl sich der Kurs dieser Position nicht bewegt. Bei Isolated-Margin zählen vor allem die zugeordnete Sicherheit und die Anforderungen dieser Position.
Auslöser und tatsächlicher Schlusskurs sind verschieden
Nach dem Auslösen muss die Plattform gegen die verfügbare Liquidität schließen. Eine Verkaufsorder kann mehrere Kaufpreisstufen verbrauchen und dadurch einen niedrigeren Durchschnittskurs als den Referenzwert erzielen. Bei geringer Tiefe, Kurslücken oder hoher Volatilität kann der Abstand größer sein. Manche Plattformen reduzieren die Position schrittweise; andere schließen sie vollständig oder verwenden einen Backstop.
Angenommen, eine Long-Liquidation verkauft 0,20 BTC. Zu diesem Zeitpunkt liegen Kaufgebote über 0,10 BTC bei 45.000 US-Dollar und über weitere 0,10 BTC bei 44.800 US-Dollar. Bleiben beide Mengen verfügbar, beträgt der rechnerische Durchschnitt 44.900 US-Dollar, auch wenn die Referenz bei 45.000 lag. Das ist nur ein Beispiel zur Orderbuchtiefe: Das Buch verändert sich fortlaufend und die Plattform kann anders vorgehen.
Auch der Umgang mit verbleibenden Sicherheiten variiert. Die Plattform kann einen Teil zurückgeben, vertraglich vorgesehene Kosten einbehalten oder das Risiko einem Backstop-Mechanismus zuweisen. Unterstelle nicht, dass alle Perpetuals denselben Versicherungsfonds, dieselbe Liquidationsgebühr oder dieselbe Verlustverteilung verwenden.

Margin-Stufen und andere Positionen ändern die Schätzung
Manche Produkte staffeln die Maintenance-Anforderung nach Asset und Nominalwert. Ein Wechsel über eine Stufengrenze kann die Berechnung schon bei einer kleinen Änderung der Kontraktmenge beeinflussen. Funding, Gebühren und der Wert der Sicherheit verändern ebenfalls das Eigenkapital. Eine Zahl, die auf Einstiegskurs und festem Prozentsatz beruht, kann deshalb schnell veraltet sein.
Für einen Szenariovergleich notiere Plattform und Kontrakt, Richtung und Größe, Bewertungsfeld und Uhrzeit, zugeordnete Sicherheit, Margin-Modus, Maintenance-Stufe, Funding, Gebühren, weitere Positionen und deine Ausführungsannahmen. Verändere jeweils eine Variable und rechne neu, wenn sich der Kontostand ändert. Die Schätzung sagt weder den nächsten Kurs voraus noch garantiert sie eine Ausführung.
Häufige Fragen
Q1Garantiert der Liquidationspreis eine Ausführung genau dort?
Nein. Er ist eine Schätzung nach den Kontoregeln. Auslöser und Ausführung können unterschiedliche Preise verwenden, und die Liquidität beeinflusst den Abschluss.
Q2Schließt die Plattform immer die ganze Position?
Es gibt keinen universellen Ablauf. Je nach Produkt kann sie einen Teil reduzieren, alles schließen oder einen anderen Prozess verwenden.
Q3Kann sich bei Cross-Margin die Schätzung ohne neue Orders ändern?
Ja. Andere Positionen, Funding, Gebühren und Sicherheitenwerte können das gemeinsame Eigenkapital verändern.
Q4Verhindert Isolated-Margin den Verlust der zugeordneten Sicherheit?
Nein. Die Position kann sie aufbrauchen. Der tatsächliche Kurs hängt von Liquidität und Plattformregeln ab.
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