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Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung8 Min. Lesezeit

BIP, BNE und BSP: Worin unterscheiden sich Produktion und Einkommen?

Verstehe den Unterschied zwischen Produktion im Inland und Einkommen der Gebietsansässigen – mit einer vollständig hypothetischen Rechnung zu BIP, BNE und BSP.

In diesem LeitfadenDrei Kennzahlen beantworten unterschiedliche Fragen

Kurze Zusammenfassung

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erfasst die Endproduktion innerhalb des Wirtschaftsgebiets. Das Bruttonationaleinkommen (BNE) ergänzt das BIP um den Saldo der grenzüberschreitenden Primäreinkommen der Gebietsansässigen. Das Bruttosozialprodukt (BSP) ordnet Produktion der Arbeit und dem Vermögen der Gebietsansässigen zu, unabhängig vom Produktionsort. Staatsangehörigkeit oder Pass sind nicht dasselbe wie der Wohnsitzbegriff der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.

Drei Kennzahlen beantworten unterschiedliche Fragen

Beim BIP lautet die Frage: Wie viel Endproduktion wurde während eines Zeitraums innerhalb des Wirtschaftsgebiets hergestellt? Das BNE fragt, welches Primäreinkommen den Gebietsansässigen nach Einnahmen aus und Zahlungen an die übrige Welt zufließt. Das BSP richtet den Blick auf Produktion, zu der Arbeit und Vermögen der Gebietsansässigen beitragen – auch wenn sie außerhalb des Gebiets stattfindet. Die Maße hängen zusammen, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Das [BEA-Lernzentrum zum BIP]({source:beaGdpLearningCenter}) erläutert die grundlegenden Abgrenzungen.

Beim BIP zählt der Ort der Produktion

Das BIP folgt dem Wirtschaftsgebiet, in dem produziert wird. Stellt ein Werk im Inland Endprodukte her, zählt seine Produktion zum inländischen BIP, auch wenn das Unternehmen ausländischen Eigentümern gehört. Ebenso zählt die Produktion eines nicht ansässigen Beschäftigten im Wirtschaftsgebiet nach den geltenden Kontenregeln zur Inlandsproduktion. Umgekehrt wird die Produktion eines Betriebs im Ausland nicht allein deshalb dem inländischen BIP zugerechnet, weil seine Eigentümer Staatsangehörige des Landes sind.

Das BIP beschreibt damit die Produktion vor Ort, nicht automatisch das Einkommen, das den Gebietsansässigen zufließt. Die [BIP-Erklärung des BEA]({source:beaGrossDomesticProduct}) beschreibt die territoriale Produktionsgrenze. Auch die [Begriffe des BNE und BIP der Weltbank]({source:worldBankGdpGniConcepts}) stellen Produktionsort und Einkommensbezug gegenüber.

Ansässigkeit ist keine Staatsangehörigkeit

„Gebietsansässig“ in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung bedeutet nicht einfach, einen bestimmten Pass zu besitzen. Staatsangehörigkeit, Geburtsort oder Abstammung allein entscheiden nicht, welcher Volkswirtschaft eine Person oder Institution statistisch zugeordnet wird. Maßgeblich ist die wirtschaftliche Ansässigkeit nach den verwendeten volkswirtschaftlichen Abgrenzungen. Eine Bürgerin kann also in einer anderen Volkswirtschaft ansässig sein; umgekehrt kann eine Person ohne inländische Staatsangehörigkeit hier ansässig sein. Für die US-Statistik berücksichtigt die BEA den Mittelpunkt des wirtschaftlichen Interesses sowie einen tatsächlichen oder erwarteten Aufenthalt in den Vereinigten Staaten von mindestens einem Jahr. Die [BEA-Definition US-amerikanischer Gebietsansässiger]({source:beaUsResidents}) erläutert diese Kriterien.

Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn du vom BIP zum BNE wechselst. Löhne werden nicht automatisch anhand des Passes eines Beschäftigten einem anderen Maß zugerechnet. Entscheidend ist, zu welcher gebietsansässigen Einheit Arbeit oder Vermögen gehört und ob Primäreinkommen über die Grenze fließt. „National“ im Kennzahlennamen sollte daher nicht mit der juristischen Staatsangehörigkeit einzelner Menschen verwechselt werden.

Vom BIP zum BNE: grenzüberschreitendes Primäreinkommen

Der konzeptionelle Zusammenhang lautet: BNE = BIP + Primäreinkommenseinnahmen aus der übrigen Welt − Primäreinkommenszahlungen an die übrige Welt. Je nach statistischer Klassifikation zählen dazu etwa Arbeitnehmerentgelte und Vermögenseinkommen. Überweisungen und andere laufende Transfers zählen dagegen zum Sekundäreinkommen, nicht zum Primäreinkommen ([BEA-Klassifikation der internationalen Konten]({source:beaInternationalAccountClassifications})). Erhalten Gebietsansässige mehr Primäreinkommen aus dem Ausland, als an Nichtansässige gezahlt wird, liegt das BNE über dem BIP. Überwiegen die Zahlungen, liegt es darunter.

Das ist nicht dasselbe wie die Handelsbilanz für Waren und Dienstleistungen. Exporte minus Importe sind im Ausgabenansatz ein Bestandteil der BIP-Rechnung und erfassen den grenzüberschreitenden Waren- und Dienstleistungshandel. Die Einnahmen und Zahlungen in der BNE-Formel beziehen sich dagegen auf Primäreinkommen. Ein Produkt im Ausland zu verkaufen ist nicht dasselbe wie ausländische Kapitalerträge für Gebietsansässige. Die [BEA-Erklärung zum BNE]({source:beaGrossNationalIncome}) und die [Weltbank-Konzepte]({source:worldBankGdpGniConcepts}) grenzen diese Vorgänge ab.

Die Illustration stellt Produktion innerhalb eines Wirtschaftsgebiets einem grenzüberschreitenden Einkommensfluss zu Gebietsansässigen gegenüber.
Konzeptbild zum Unterschied zwischen Produktionsort und Einkommen der Gebietsansässigen; es zeigt keine tatsächlichen Daten.

Ein vollständig hypothetisches Beispiel

Angenommen, das BIP beträgt zur Veranschaulichung 1.000 hypothetische Einheiten. Gebietsansässige erhalten 70 hypothetische Einheiten an Primäreinkommen aus dem Ausland; an das Ausland werden 110 hypothetische Einheiten gezahlt. Der Saldo beträgt 70 − 110 = −40 hypothetische Einheiten. Das BNE ist somit 1.000 + 70 − 110 = 960 hypothetische Einheiten.

Alle Zahlen sind erfunden und weder reale Länder- oder Jahresdaten noch eine Prognose oder Empfehlung. Exporte und Importe von Waren werden in dieser Rechnung nicht zusätzlich eingesetzt, weil sie nicht die Primäreinkommensposten der Formel sind. Das Beispiel zeigt: Für den Unterschied zwischen BIP und BNE ist das Netto-Primäreinkommen über Grenzen entscheidend, nicht die Staatsangehörigkeit.

BSP und BNE: Produktion und Einkommen der Gebietsansässigen

Das BSP ordnet Produktion der Arbeit und dem Vermögen von Gebietsansässigen zu, unabhängig davon, wo produziert wird. Das BNE stellt die Einkommensseite dieser gebietsansässigen Aktivitäten dar. In der volkswirtschaftlichen Sicht beschreiben sie zusammenhängende Aspekte; aus den Bezeichnungen allein folgt kein eigenständiger wirtschaftlicher Abstand. Bei veröffentlichten Schätzungen können getrennte Datenquellen und statistische Abstimmungen zu Differenzen führen.

In der US-Darstellung des BEA gilt: US-BNE = Bruttoinlandseinkommen (GDI) + Primäreinkommenseinnahmen aus dem Ausland − Primäreinkommenszahlungen an das Ausland. Das BEA weist die Beziehung außerdem so aus: BNE = BSP − statistische Differenz. Diese statistische Differenz ist kein Nachweis für zusätzliches oder fehlendes, genau bekanntes Einkommen; sie bildet vielmehr ab, dass unabhängig geschätzte Konten nicht vollständig übereinstimmen. Die [BEA-Erläuterung zum BSP]({source:beaGrossNationalProduct}) bietet dazu den Kontext.

GDI, Brutto und Netto

Das Bruttoinlandseinkommen (GDI) ist das Einkommensgegenstück zum inländischen BIP: Das eine Maß erfasst die Produktion im Wirtschaftsgebiet, das andere die daraus entstehenden Einkommen. Konzeptionell sollten sie gleich sein. In der Praxis können die Schätzungen abweichen, weil Produktion und Einkommen aus getrennten, unvollkommenen Quellen ermittelt werden. GDI ist nicht BNE: GDI bezieht sich auf das Inland, BNE umfasst zusätzlich den Saldo des Primäreinkommens der Gebietsansässigen mit der übrigen Welt. Die [GDI-Erklärung des BEA]({source:beaGrossDomesticIncome}) behandelt diesen Zusammenhang.

„Brutto“ heißt, dass der Verbrauch von Anlagevermögen während des Zeitraums nicht abgezogen wird. Netto-Maße ziehen diesen Kapitalverzehr ab. Sie zeigen damit eine Größe nach Berücksichtigung der Abnutzung oder wirtschaftlichen Überalterung von Anlagegütern. Aus dem Wort „brutto“ folgt aber nicht, dass das BNE das durchschnittliche verfügbare Einkommen eines Haushalts misst. Das [BEA-Handbuch zu den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen]({source:beaNipaHandbookFundamentals}) behandelt auch die Abgrenzung zwischen inländischen und nationalen sowie Brutto- und Nettogrößen.

Welches Maß passt – und was bleibt offen?

Nutze das BIP für die Produktion innerhalb eines Wirtschaftsgebiets, das BNE für das Primäreinkommen, das Gebietsansässigen nach grenzüberschreitenden Zuflüssen und Abflüssen zusteht, und das BSP für die mit Arbeit und Vermögen der Ansässigen verbundene Produktion. Achte vor einem Vergleich auf Zeitraum, Definition und Einheit. Die deutschsprachigen Erklärungen zu nominalem und realem BIP, CPI, PCE und BIP-Deflator sowie Haushaltsdefizit und Staatsverschuldung vertiefen weitere Aggregate.

Das BNE ist ein gesamtwirtschaftlicher Einkommenswert, kein durchschnittliches Nettoeinkommen der Haushalte. Es zeigt allein weder die Verteilung des Einkommens zwischen Haushalten und Regionen noch das Wohlergehen oder die Lebensqualität. Das BNE kann steigen, ohne dass alle Haushalte gleichermaßen profitieren; Verteilung, Preise, Steuern und öffentliche Leistungen sind eigene Fragen. BIP, BNE und BSP sind Kennzahlen für gesamtwirtschaftliche Produktion und Einkommen, keine vollständige Beschreibung der Lage jeder Person.

Die Weltbank weist darauf hin, dass der tatsächliche Individualkonsum (AIC) pro Kopf auch individuelle Güter und Dienstleistungen umfasst, die Haushalte vom Staat und von gemeinnützigen Einrichtungen für Haushalte erhalten und verbrauchen, nicht nur selbst Gekauftes. Wenn diese Leistungen einen wichtigen Teil des Verbrauchs ausmachen, kann der AIC pro Kopf für den Vergleich des durchschnittlichen materiellen Wohlergehens konzeptionell aussagekräftiger sein als die Konsumausgaben der Haushalte allein. AIC bleibt ein durchschnittliches Verbrauchsmaß, kein vollständiger Wohlfahrts- oder Verteilungsindikator ([Weltbank-Konzepte zu BIP und BNE]({source:worldBankGdpGniConcepts})).

Häufige Fragen

Q1Erfasst das „nationale“ Einkommen nur Staatsangehörige?

Nein. Wirtschaftliche Ansässigkeit in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ist nicht mit der Staatsangehörigkeit oder einem Pass gleichzusetzen. Das BNE bezieht sich auf Einkommen, das nach diesen Ansässigkeitsregeln Gebietsansässigen zusteht.

Q2Werden Importe abgezogen, um das BNE zu berechnen?

Nicht unmittelbar. Exporte und Importe erfassen den Waren- und Dienstleistungshandel im Ausgabenansatz des BIP. Der Übergang zum BNE berücksichtigt Primäreinkommenseinnahmen aus dem Ausland und Zahlungen dorthin.

Q3Ist das BNE das durchschnittliche Haushaltseinkommen?

Nein. Es ist ein gesamtwirtschaftlicher Einkommenswert und zeigt weder das durchschnittliche verfügbare Einkommen noch dessen Verteilung. Dafür sind weitere Kennzahlen nötig. ---

Quellen und weiterführende Lektüre

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Was entscheidet, ob eine Produktion zum BIP eines Wirtschaftsgebiets zählt?

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