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Kennzahlen des Außenhandels10 Min. Lesezeit

Terms of Trade und Handelsbilanz: Preise sind keine Handelswerte

Erfahren Sie, wie der Preisindex der Terms of Trade vom Wert der Exporte abzüglich der Importe abweicht, mit Rechenbeispielen und Hinweisen zur Einordnung

In diesem LeitfadenZwei Kennzahlen, zwei unterschiedliche Fragen

Kurze Zusammenfassung

Die Terms of Trade vergleichen die Preise der Exporte mit den Preisen der Importe, meist anhand eines Index. Die Handelsbilanz stellt den Wert der Exporte dem Wert der Importe über einen bestimmten Zeitraum gegenüber. Der Index beschreibt relative Preise, die Handelsbilanz einen Nettowaren- und -dienstleistungsstrom. Deshalb lässt sich aus den Terms of Trade allein kein Überschuss oder Defizit ablesen.

Zwei Kennzahlen, zwei unterschiedliche Fragen

Terms of Trade, kurz ToT, ist eine Kennzahl für relative Preise. Sie beantwortet die Frage, wie sich die Preise für exportierte Güter im Vergleich zu den Preisen für importierte Güter entwickelt haben. Veröffentlichte Werte vergleichen meist einen Exportpreisindex mit einem Importpreisindex. Die Handelsbilanz zieht dagegen den Wert der Importe vom Wert der Exporte ab, jeweils nach einer bestimmten statistischen Abgrenzung und für einen festgelegten Zeitraum. Sie ist ein Wertstrom und wird üblicherweise in einer Währung angegeben. {source:imfExportImportPriceIndexManual} {source:beaTermsOfTradeGlossary}

Dass beide Begriffe das Wort „Handel“ enthalten, macht sie leicht verwechselbar. Der ToT-Index zählt jedoch weder die über Grenzen beförderten Einheiten noch die gesamten Zahlungen der Käufer oder Einnahmen der Verkäufer. Er setzt Preismaße ins Verhältnis. In der Handelsbilanz wirken sich neben den Preisen auch Mengen aus; außerdem spielen Erfassungsbereich, Bewertung und Zeitpunkt der Daten eine Rolle. Exportpreise können sich relativ zu Importpreisen verbessern, während der Importwert dennoch über dem Exportwert liegt.

Klären Sie zuerst, welche Frage Sie beantworten möchten. Sollten Exportpreise schneller steigen als Importpreise, prüfen Sie den Terms-of-Trade-Index, seine Basisperiode und Methode. Soll der Wert der Exporte mit dem der Importe verglichen werden, benötigen Sie eine Handelsbilanz und deren genaue Abgrenzung nach Waren, Dienstleistungen und erfassten Transaktionen. Keine der beiden Kennzahlen beschreibt für sich genommen den gesamten Handel oder das Wohlergehen der Haushalte.

So wird der Terms-of-Trade-Index berechnet

Sind Exportpreis- und Importpreisindex in derselben Basisperiode jeweils auf 100 normiert, lässt sich der Index so berechnen: 100 × Exportpreisindex ÷ Importpreisindex. Manche Stellen weisen denselben Quotienten mit einem Basiswert von 1 aus. Die Skalen unterscheiden sich, nicht aber die relative Preisbeziehung, die verglichen wird. Damit das Verhältnis aussagekräftig ist, sollten die Indizes vergleichbare Zeiträume, Warenkörbe, Preisbegriffe und Methoden verwenden. {source:imfExportImportPriceIndexManual} {source:oecdTermsOfTradeIndicator}

Der Basiswert 100 ist eine Normierung. Er ist weder eine Schwelle für einen Handelsüberschuss noch ein Zielwert. Wenn beide Preisindizes in der Basisperiode auf 100 gesetzt werden, ergibt sich dort rechnerisch ein ToT-Index von 100. Ein späterer Wert über 100 sagt, dass Exportpreise seit der Basis stärker gestiegen oder weniger stark gefallen sind als Importpreise. Er sagt nicht, dass die Exporteinnahmen höher als die Importausgaben sind.

Die Wahl der Basisperiode beeinflusst das angezeigte Indexniveau. Wird eine Reihe auf ein anderes Jahr umgestellt, kann sich der Zahlenwert ändern, obwohl die zugrunde liegende Preisrelation dieselbe bleibt. Vergleichen Sie deshalb keine Indexstände verschiedener Reihen, ohne Basis, Abdeckung und Methoden abzugleichen. Bei unterschiedlichen Basen können Sie dokumentierte Veränderungsraten vergleichen oder eine sachgerechte Umbasierung vornehmen. Ein Niveauunterschied ist kein Unterschied in den Handelsüberschüssen.

Indexstand und jüngste Veränderung getrennt lesen

Nehmen wir an, die Export- und Importpreisindizes betragen in einer fiktiven Basisperiode jeweils 100. In einem späteren Zeitraum liegt der Exportpreisindex bei 120 und der Importpreisindex bei 110. Dann beträgt der Terms-of-Trade-Index 100 × 120 ÷ 110 ≈ 109,1. Gegenüber der Basisperiode haben sich Exportpreise relativ zu Importpreisen um etwa 9,1 % verbessert. Das beschreibt die Preisindizes, nicht die exportierten oder importierten Mengen, die gesamten Einnahmen oder die Handelsbilanz. {source:imfExportImportPriceIndexManual}

Unterscheiden Sie außerdem das Indexniveau von seiner Bewegung seit der letzten Veröffentlichung. Fällt der Index von 110 auf 107, liegt er weiterhin über seiner Basis von 100, hat sich gegenüber der letzten Beobachtung aber verschlechtert. Umgekehrt kann ein Index unter 100 von einem Zeitraum zum nächsten steigen. „Über 100“ vergleicht mit der Basisperiode; „in diesem Quartal gestiegen“ vergleicht mit der vorherigen Beobachtung. Das sind verschiedene Aussagen.

Aus einem Indexstand von 109,1 folgt auch nicht, dass tatsächlich 9,1 % mehr Importe gekauft werden können. Bei unveränderter Exportmenge und sonst gleichen Bedingungen bedeutet ein besseres relatives Preisverhältnis, dass die Exporterlöse eine größere Importmenge finanzieren können. Tatsächliche Käufe hängen aber unter anderem von Einkommen, Finanzierung, Verträgen, den Preisen einzelner Güter und Entscheidungen der Unternehmen und Haushalte ab. Der Index isoliert eine Preisrelation, nicht die gesamte Anpassung.

Konzeptionelle Hafenszene mit unterschiedlich großen Frachtschiffen und einer Waage ohne Beschriftung
Symbolische Darstellung von Export- und Importströmen ohne Daten oder Ländervergleich.

Warum sich die Handelsbilanz anders entwickeln kann

Um das Preisbeispiel mit dem folgenden Wertbeispiel zu verbinden, nehmen wir für die Basisperiode einen erfundenen Stückpreis von $100 für Exporte und Importe an. In einer späteren hypothetischen Periode beträgt der Exportstückpreis $120 und der Importstückpreis $110. Liegen beide Preisindizes in der Basisperiode bei 100, stehen sie später bei 120 und 110; der Terms-of-Trade-Index beträgt dann 100 × 120 ÷ 110 ≈ 109,1. Diese Preise sind zur Veranschaulichung erfunden. {source:imfExportImportPriceIndexManual}

Berechnen wir nun getrennt die Handelswerte mit den späteren Stückpreisen, in derselben Währung und für denselben Zeitraum. Bei einer Exportmenge von 8 Einheiten beträgt der Exportwert $120 × 8 = $960. Bei einer Importmenge von 11 Einheiten beträgt der Importwert 110 $ × 11 = 1.210 $. Die Handelsbilanz ist 960 $ − 1.210 $ = −250 $, also nach der Definition dieses Beispiels ein Defizit. Alle Werte sind erfunden; der relative Preisindex allein bestimmt diese Bilanz nicht. Dafür braucht es zusätzlich Mengen und die statistische Abgrenzung. {source:beaTermsOfTradeGlossary}

In tatsächlichen Statistiken können Preisindizes und Handelswerte unterschiedliche Warenkörbe, Klassifikationen, Bewertungsgrundlagen, Anpassungen oder Erfassungszeitpunkte nutzen. Eine Handelsbilanz kann Dienstleistungen umfassen, während ein bestimmter ToT-Index nur Waren misst, oder umgekehrt. Bevor Sie die Veränderung einer Bilanz erklären, prüfen Sie getrennt Exportpreise, Importpreise, Mengen und die Abgrenzung der jeweiligen Reihe.

Was ein Preisindex misst und was er übersehen kann

Ein Terms-of-Trade-Index kann auf direkt erhobenen Preisen, auf Einheitswerten aus Handelswerten geteilt durch Mengen oder auf einer Kombination dieser Ansätze beruhen. Nicht jeder ToT-Index verwendet Einheitswerte. Manche Reihen nutzen Preiserhebungen für ausgewählte Produkte, andere leiten Einheitswerte aus gemeldeten Werten und Mengen ab. Die Methode beeinflusst, welche Veränderungen der Index erfasst. {source:imfExportImportPriceIndexManual} {source:imfExportUnitValueManual}

Ein Einheitswert ist nicht automatisch der reine Preis eines unveränderten Produkts. Exportiert ein Land beispielsweise mehrere Qualitätsstufen eines Guts und steigt der Anteil der teureren Varianten, kann der durchschnittliche Wert je Einheit zunehmen, obwohl der Preis jeder Qualitätsstufe gleich geblieben ist. Auch Qualität, Produktmix, Vertragsart, Bestimmungsland oder statistische Klassifikation können Einheitswerte verändern. Ähnliche Effekte gibt es bei Importen. Statistikstellen korrigieren Zusammensetzungseffekte teilweise, aber Umfang und Methode unterscheiden sich je Reihe. {source:imfExportUnitValueManual}

Diese Einschränkung macht den Index nicht wertlos. Sie spricht dafür, ihn genau zu beschreiben und die Metadaten zu lesen. Prüfen Sie, ob die Reihe erhobene Preise, Einheitswerte oder einen Hybridansatz nutzt, welche Produkte und Transaktionen enthalten sind, wie fehlende Beobachtungen behandelt werden und ob Basisjahr oder Gewichte gewechselt haben. Aus der Aussage „Die Terms of Trade haben sich verbessert“ folgt nicht, dass sich die Lage jedes Exporteurs, Unternehmens oder Haushalts gleich entwickelt hat. Nennen Sie die verwendete Reihe und Periode.

Waren, Dienstleistungen und Warenhandel abgrenzen

Die Abdeckung hängt von der jeweiligen Reihe ab. Das BEA-Glossar beschreibt einen Terms-of-Trade-Messwert für Waren und Dienstleistungen, der Preise für Exporte und Importe dieser Güter und Dienstleistungen verwendet. Das Glossar führt außerdem gesonderte Verhältnisse für Waren und für den Handel ohne Erdöl auf. Lesen Sie daher die genaue Reihenbezeichnung, statt von einem einheitlichen, universellen Umfang auszugehen. Eine Warenreihe oder eine Reihe ohne Erdöl beantwortet eine engere Frage als der breitere Waren-und-Dienstleistungen-Messwert. {source:beaTermsOfTradeGlossary}

Die Reihe TT.PRI.MRCH.XD.WD der World Development Indicators der Weltbank ist ein Terms-of-Trade-Index für den Warenhandel. In den Metadaten werden der Vergleich von Einheitswertindizes für Warenexporte und -importe, die Basis und die eigene Berechnungsmethode erläutert. Die Reihe sollte nicht als Maß für sämtliche Dienstleistungen oder alle grenzüberschreitenden Transaktionen beschrieben werden. Andere Institutionen können Reihen mit anderem Datenmaterial, Basiszeitraum oder Umfang veröffentlichen. {source:worldBankMerchandiseTermsOfTradeMetadata}

Wenn Sie Terms of Trade und Handelsbilanz gemeinsam betrachten, gleichen Sie ihre Abdeckung so weit wie möglich ab. Geht es jeweils nur um Waren oder schließt eine Reihe Dienstleistungen ein? Welche Volkswirtschaft, Handelspartner, Zeiträume und Bewertungsgrundlagen werden erfasst? Auch bei gleicher Abgrenzung beantworten Index und Bilanz verschiedene Fragen. Ein Warenindex kann sich anders entwickeln als eine Handelsbilanz mit Dienstleistungen, ohne dass eine der Reihen falsch sein muss.

Was sich über Kaufkraft, Wohlfahrt und Währungen sagen lässt

Bei festgehaltener Exportmenge und sonst gleichen Bedingungen bedeutet eine Verbesserung der Terms of Trade, dass diese Exporte gemessen an den relativen Preisen mehr Importe finanzieren können. Das ist eine sinnvolle Interpretation. Sie garantiert jedoch nicht, dass tatsächlich mehr importiert wird. Einkommen, Finanzierung, Verträge und Preise für einzelne Käufer können sich ändern; ebenso kann die Exportmenge schwanken. Ein aggregierter Index zeigt nicht allein, wer zusätzliche Einnahmen erhält oder die Last einer Preisänderung trägt.

Der Index beweist weder einen Handelsüberschuss noch eine Verbesserung des Haushaltswohls oder den Erfolg einer bestimmten Politik. Wohlfahrt hängt auch von Löhnen, Beschäftigung, Steuern, Konsumentscheidungen, dem Eigentum an Unternehmen und Ressourcen sowie der Einkommensverteilung ab. Die Folgen einer Preisänderung können sich für ein Land mit einem dominierenden Rohstoffexport von denen einer Volkswirtschaft mit breitem Exportmix unterscheiden. Eine Wohlfahrtsaussage benötigt eine eigene Analyse und ist kein Synonym für einen höheren Index.

Der Terms-of-Trade-Index ist auch keine Wechselkursprognose. Wechselkurse werden unter anderem durch Geldpolitik, Zinserwartungen, Kapitalströme, Risiken und Erwartungen über künftige Einkommen beeinflusst. Veränderungen der Exportpreise können mit diesen Faktoren zusammenhängen, bestimmen aber weder Richtung noch Ausmaß einer Währungsbewegung mechanisch. Machen Sie aus einer Preis- oder Kontenkennzahl ohne breitere Belege keine Wechselkursprognose.

Beide Kennzahlen systematisch vergleichen

Beginnen Sie mit dem exakten Namen und den Metadaten der Reihe. Halten Sie für die Terms of Trade Preisbegriffe, Basisperiode, Methode, Produktabdeckung und Veröffentlichungshäufigkeit fest. Prüfen Sie bei der Handelsbilanz, ob sie Waren oder Waren und Dienstleistungen umfasst, welche Währung und Bewertungsgrundlage gilt, ob saisonbereinigt wurde und auf welchen Zeitraum sie sich bezieht. Notieren Sie auch, ob eine Reihe revidiert oder umbasiert wurde. {source:oecdTermsOfTradeIndicator} {source:beaTermsOfTradeGlossary} {source:worldBankMerchandiseTermsOfTradeMetadata}

Trennen Sie anschließend drei Aussagen: das Indexniveau gegenüber seiner Basis, die Änderung gegenüber der vorigen Beobachtung und den positiven oder negativen Wert der Handelsbilanz. Eine präzise Erklärung könnte lauten: Die relativen Exportpreise lagen rund 9,1 % über dem Verhältnis der Basisperiode, während die separat gemessene Handelsbilanz ein Defizit auswies. Wenn der Index nur Waren und die Bilanz auch Dienstleistungen umfasst, sollten Sie diesen Unterschied nennen. So erklären Sie die Daten, ohne zu behaupten, eine Kennzahl bestimme die andere.

Zu verwandten Themen erklärt Leistungsbilanz und Handelsbilanz, wie Einkommen und Übertragungen über den Waren- und Dienstleistungshandel hinaus berücksichtigt werden. BIP, BNE und BSP unterscheidet Inlandsproduktion und Einkommenskonzepte. Die Staatsschuldenquote vergleicht den öffentlichen Schuldenstand zu einem bestimmten Zeitpunkt mit dem BIP als Wirtschaftsleistung über einen Zeitraum. Wie Terms of Trade und Handelsbilanz beantworten auch diese Kennzahlen jeweils eine eigene Frage.

Häufige Fragen

Q1Bedeutet ein Terms-of-Trade-Index über 100 einen Handelsüberschuss?

Nein. Der Wert 100 ist meist das normierte Niveau der Basisperiode. Ein Wert darüber beschreibt die relative Preisentwicklung gegenüber dieser Basis, nicht ob die Exportwerte die Importwerte übersteigen. Mengen und statistische Abgrenzung der Handelsbilanz spielen ebenfalls eine Rolle.

Q2Verbessern sich die Haushalte sicher, wenn sich die Terms of Trade verbessern?

Nein. Bei gleichbleibender Exportmenge und sonst gleichen Bedingungen kann ein günstigeres relatives Preisverhältnis die Importkaufkraft erhöhen. Preise, Mengen und Einkommen können sich jedoch ändern, und Gewinne oder Belastungen verteilen sich nicht unbedingt gleichmäßig. Der Index ist kein vollständiges Wohlfahrtsmaß.

Q3Beruhen alle Terms-of-Trade-Indizes auf Einheitswerten?

Nein. Je nach Reihe kommen erhobene Preise, Einheitswerte oder hybride Methoden zum Einsatz. Einheitswerte können sich mit Produktmix oder Qualität verändern. Lesen Sie daher die Methodendokumentation der konkreten Reihe, bevor Sie ihre Bewegung als reine Preisänderung deuten.

Quellen und weiterführende Lektüre

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Frage 01

Beide Preisindizes betragen in der Basisperiode 100. Später liegt der Exportindex bei 120 und der Importindex bei 110. Wie hoch ist der Terms-of-Trade-Index ungefähr?

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